Menomena

Mit »Friend And Foe« haben Brent Knopf, Justin Harris und Danny Seim als Menomena dieser Tage ihr drittes Album veröffentlicht und gleichzeitig dem Begriff ›Vielschichtigkeit‹ eine neue Bedeutung verliehen. Quirliger Indie-Pop trifft dort auf Post Rock-Arrangements, pumpende Saxophon-Staccati, Glockenspieleinlagen, sanft gezupfte Violinen und ausgewählt hingetufte Klavieranschläge komplettieren das Bild eines bis zum Rand mit musikalischen Entdeckungen gefüllten Albums. Nach ihrem Debüt »I Am The Fun Blame Monster« und dem folgenden Instrumental-Album »Under An Hour«, das sie ursprünglich als musikalische Kulisse für ein Theaterstück eingespielt haben, ist »Friend And Foe« eine deutliche musikalische Weiterentwicklung für das Trio aus Portland, Oregon.

    Ende des Jahres werden die Arbeiten an ihrem vierten Album beginnen, ihre aktuelle Tour führt sie derzeit nicht nur nach Deutschland, Österreich und die Schweiz, sondern im Oktober auch in die Benelux-Länder und Spanien. Dort werden sie auf der Bühne von Craig Thompson, ihrem Cover-Art-Designer, visuell unterstützt.

    Spex verlost zwei limitierte Menomena-7“-Vinyls ihrer aktuellen Single »Wet And Rusting« inklusive der B-Seite »Gay A«. Verlosung, Tourdaten und das aktuelle Video am Ende des Textes. Vorab ein kurzes Gespräch mit Menomena-Sänger Brent Knopf über die Entwicklung der Band seit ihrem Debüt, digitale Aufnahmetechnik und die Verkomplizierung von Musik.

MenomenaIhr habt »Friend And Foe« Anfang Januar auf Barsuk Records veröffentlicht und in den letzten Wochen und Monaten Eure Zeit auf Tour verbracht. Mit einem solchen Abstand zwischen der US- und der europäischen Album-Veröffentlichung auf City Slang interessiert mich, ob ihr schon an neuen Stücken gearbeitet habt. Braucht ihr harte Brüche? Könnt ihr unterwegs arbeiten oder braucht ihr dafür die Umgebung des Proberaums?
    Eigentlich klingt das jetzt nicht wirklich Punk Rock, oder vielleicht sogar doch … Jedenfalls arbeiten wir heute oft am Computer, mit Kopfhörern und Audiodateien. Damit beginnt das Arrangement eines Songs. Das ist dann unterwegs natürlich schwierig, denn auf der Bühne ist meistens ziemlich laut, und während der Fahrt den Computer zu benutzen bringt auch nicht wirklich viel. Ich bin immer wieder überrascht, wie wenig Zeit man dann hat, um konzentriert und alleine zu arbeiten. Im Gegensatz zu anderen Bands können wir uns keinen großen Tour-Bus leisten, in dem andere eine Art Studio mit sich führen können. Das entspricht einfach nicht unserer Art … Also, nein: Wir haben eigentlich noch keine neuen Stücke …

Als ich »Friend And Foe« zum ersten Mal hörte war ich ziemlich von der Instrumentierung überrascht bzw. wieviel Arbeit das Arrangement der ganzen Instrumente gewesen sein muss, damit das Ganze später auch von drei Musikern auf der Bühne umgesetzt werden kann. Als ich dann später herausfand, dass ihr ziemlich viel auf digitalem Wege umsetzt, erinnerte mich euer Konzept mehr an Elemente aus dem Hiphop oder Electro denn an Indie. Deshalb dachte ich auch an einen einfacheren Aufnahmeprozess während der Tour, weil ihr ja eure vorher aufgenommenen ›Samples‹ mitnehmen könnt …
    Nunja, auf der letzten Tour hatte ich meine MBox nicht dabei. Das ist ein Interface mit dem ich meine Pro-Tools erreichen kann. Ohne diese MBox konnte ich nicht arbeiten, also beschränkte ich mich mehr auf die Textarbeit. Aber um das deutlich zu machen: Das ist nur der erste Schritt! Damit arbeiten wir an Loops und anderen Ideen. In einem späteren Schritt benutzen wir dann andere Audio-Software und konzentrieren uns mehr auf die kompositorischen Aspekte der einzelnen Elemente.

Wo wir beim Thema ›Song Development‹ sind: Mich würde interessieren, wie sich Menomena im Laufe der letzten Jahre entwickelt haben, seit ihr 2004 »I Am The Fun Blame Monster!« veröffentlicht habt. Dessen Nachfolger »Under An Hour« war ja ein Instrumental-Album.
    Wir haben die Band 2000 oder 2001 gegründet. Damals wussten wir nicht was wir taten, wir nahmen einfach ein paar Demos auf. »I Am The Fun Blame Monster« nahmen wir letztendlich in einem Geräteschuppen auf dem Land, in Oregon auf. Wir verwendeten dafür eigentlich nur ein Mikrofon, hatten auch keinerlei Erwartungen, wollten das Album eigentlich nur mit einigen unserer Freunde teilen.
    Zu unserer Überraschung bekamen wir ganz gute Besprechungen und konnten letztendlich sogar auf Tour gehen. Irgendwann sprach uns eine Freundin darauf an, eine Art Choreografin eines kleinen Theaters, und sie bat uns für sie eine Art Tanzmusik zu schreiben, die 18 Minuten lang sein sollte. Wir mögen Herausforderungen, deshalb sagten wir zu. Einen Monat später meinte sie dann, sie brauche drei Stücke, alle jeweils 18 Minuten lang. Also hatten wir schlussendlich rund eine Stunde an Musik. Und weil wir bei der Aufführung im Rahmen des Tanzfestivals ganz gutes Feedback bekamen, entschieden wir uns dazu, die Stücke als Album zu veröffentlichen.
    »Friend And Foe« war dann der nächste Schritt, ein Richtung Pop ausgelegtes Album. Ich meine ›Pop‹ dabei im eher liebenswerten Sinne, ich schätze Popmusik – gerade die aus den achtziger Jahren – sehr. Die Musik ist vielschichtiger, es gibt viele Vocals, die Songs sind wesentlich kürzer. Das sind die künstlerischen Herausforderungen denen wir uns stellen wollten. In etwa: Wie könnten Menomena klingen, wenn wir drei- bis vierminütige, breit gefächerte und mit deutlich mehr Vocals versehene Songs schreiben würden.


MenomenaWie waren denn die Arbeiten an »Under An Hour«? Habt ihr damals viel improvisiert?
    Wir haben daran mehrere Monate gearbeitet: Im Februar 2005 begannen wir die Stücke zu schreiben, bis September hatten wir aber keinen einzigen Auftritt. Es gab also Probe um Probe, alles war sehr gut geplant und vorbereitet. Während der Aufführung waren wir wie eine Art Orchester neben der Bühne platziert, gleich neben dem Bühnenaufgang für die Tänzer: Wir hatten einen großen Konzertflügel, ein Saxophon, einige Gitarren, verschiedene Percussion-Elemente. Das war schon alles sehr routiniert. Ich glaube, die Jamming-Elemente bei Menomena sind eher in der Phase interessant, in der wir mit dem Deeler, unserem Looping-Tool arbeiten, also wenn es um die Sammlung von Ideen gibt.

Aber erfodert solch eine Arbeitsweise nicht wahnsinnig viel Disziplin? Du sprachst eben von »Friend And Foe« als euer Pop-Album. Ich dachte dabei eher an Pop im konzeptuellen Sinne. Also weniger spontan, eher durchdachte, disziplinierte Musik.
    Da würde ich zustimmen. Als wir »Friend And Foe« aufnahmen waren wir sehr fokussiert. Als wir bei »I Am The Fun Blame Monster« erstmals Pro-Tools einsetzten und die Musik auf einem Computer schrieben, hatten wir zum ersten Mal mit dem Mixing, dem Einsatz von Plug-Ins, Kompression und Reverb zu tun, also dem ganzen Zeug, das normalerweise von den Studios gemacht wird. Wir hatten damals ja auch keine Ahnung was man aus den Tools so rausholen kann, also war vieles davon reines Experiment.
    Bei »Under An Hour« setzten wir uns viel mehr mit dem auseinander, was wir gerade taten. Da mussten wir einfach diszipliniert sein, gerade weil wir ja auch ein Publikum über 18 Minuten lang unterhalten mussten. Das war eine große Herausforderung und gleichzeitig eine gute Erfahrung, weil wir dadurch einfach unsere Skills verbessern konnten.
    Und als wir uns dann mit »Friend And Foe« beschäftigten hatten wir schon bestimmte Ideen im Kopf und waren endlich auch in der Lage sie sehr viel schneller und exakter umzusetzen. Wir konnten uns auf einmal in dieser Arbeitsatmosphäre zurecht finden und den lästigen Trial & Error-Prozess loswerden.

Woher habt ihr das Interesse an dieser vielschichtigen oder verschachtelten Soundästhetik? »Friend And Foe« klingt ja oft sehr abstrakt und inszeniert, gleichzeitig ist es aber auch äußerst catchy und zugänglich.
    So komisch das nun auch klingt, aber wir versuchen Musik zu schaffen, der es sich zuzuhören lohnt, die aussagekräftig ist; und zwar hoffentlich nicht beim ersten Durchgang. Uns geht es mehr um Entdeckungen, um das Finden einzelner Elemente, die sich unter den offensichtlichen Arrangements verbergen. So geht es mir oft bei meinen Lieblings-Platten, gerade bei denen, die ich schon hunderte Male gehört habe. Wir versuchen unsere Musik also in einem positiven Sinne zu verkomplizieren, damit der Hörer einen eigenen Zugang finden, oder vielleicht besser suchen kann. Also der vorsätzliche Versuch, Musik zu schaffen, die bleibt.

… Und sie fordernd zu gestalten? …

    Ja, aber nicht unzugänglich, wir wollen schließlich niemanden aussperren. Im Endeffekt sind wir ja wie jede andere Band: Wir möchten, dass unsere Musik jemand anderem etwas bedeutet.

»Friend And Foe« ist bereits erschienen (City Slang / Universal Music), Spex verlost zwei limitierte Menomena-7“-Vinyls der aktuellen Single »Wet And Rusting« inklusive der B-Seite »Gay A«, Email genügt.

Die aktuellen Tourdaten lauten wie folgt:

19.09. Hamburg – Uebel und Gefährlich
20.09. Berlin – Postbahnhof
21.09. Heidelberg – Karlstorbahnhof
22.09. Münster – Gleis 22
04.10. Köln – Stadtgarten
05.10. Nürnberg – MUZ
06.10. München – Orangehouse
07.10. A-Wien – Chelsea
08.10. CH-St. Gallen – Palace

 

 

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.