Melissa Broder „Fische“ / Review

Der inneren Leere den Mittelfinger: Melissa Broder hat einen expliziten Roman über Sex, Depressionen und die Sinnsuche geschrieben. Fische ist in der deutschen Übersetzung von Eva Bonné bei Ullstein erschienen.

Depression, Verzweiflung, romantische Obsession – wer Melissa Broders Twitter­account @sosadtoday oder ihren gleich­namigen Essayband kennt, dem werden die Themen ihres gerade erschienenen Debütromans Fische nicht fremd sein. Die 38­-jährige Protagonistin Lucy zieht nach einer Überdosis Schlaftabletten ins kalif­ornische Venice Beach, „um den Einfluss der Schwänze auf ihr Leben zu minimieren“ und sich von einer Trennung zu erholen. Doch auf Windhund Dominic aufzupassen oder in der Therapiegruppe, einer „viel­köpfigen Hydra der Verzweiflung“, rumzusitzen, reicht nicht. Lieber stürzt sie sich ins Onlinedating und trifft auf Typen, die sie im öffentlichen Hotelklo von hinten nehmen, statt fürs Zimmer zu bezahlen. Zum Glück gibt es Theo, den Schwimmer, der auch mal reden will und einen bizar­ren Fetisch für Füße hat. Der Grund: Er ist Meermann – und hier kippt die Handlung ins Parabelhafte. Theo beschert überwäl­tigende Orgasmen, ist cool mit Menstrua­tionsblut und offenbart sich endlich als die Fantasie, die Lucy für lebenswert hält. Aber reicht das, um das Leben auszuhalten? Mit Fische hat Broder einen Roman über den Mythos eines Meermanns hingelegt, der auch den Ruf der Sirene nach dem ver­dammten Begehren in die Jetztzeit über­setzt. Die in Los Angeles lebende Autorin findet derbe Worte und Humor für die Krux, man selbst zu sein – mit einer Wucht geschrieben, als hole sie mit der Faust aus, um ihre eigene Leere niederzuknüppeln. Oder in Lucys Worten ausgedrückt: „Am Ende sollte das alles der Leere den sprich­wörtlichen Mittelfinger zeigen.“

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