Meine Kunst wurde ungefragt zweckentfremdet und alles was ich dafür bekam ist ein lausiges Crystal Castles-T-Shirt …

Crystal Castles Trevor Brown Alice PracticeUm über die Kunst, die Musik und das Urheberrecht zu sprechen: Trevor Brown. Er, ein britischer, seit mehr als zwölf Jahren in Japan lebender Fetisch-Künstler. Crystal Castles: Sie, Alice Glass und Ethan Kath, ein kanadisches Elektro-8-Bit-Duo (mehr …). Gemeinsamkeiten: ein Artwork. Im September 2006 erschien die erste Crystal Castles-7"-Single »Alice Practice« auf Merok Records, das Cover (siehe Bild) zeigte ein älteres Portrait der jungen Madonna, ihr blutiges, angeschwollenes Auge komplettierte die Lo-Fi-Ästhetik der Veröffentlichung. Dumm nur, dass es nicht der eigene künstlerische Output war. Beziehungsweise, dass man den Urheber – Trevor Brown – nicht um Freigabe gebeten hatte. Was folgte war ein Lehrstück in Sachen Internet, mangelnder Kommunikation und Urheberrecht.

»Mentioned before – a pair of stupid kids doing electronica stuff who decided they’d use my art for their first 7" record cover without bothering to seek permission – the same image also stolen for ›official‹ Crystal Castles t-shirts (…) Well, the artist did quickly learn about it and made himself known – then proceeded to waste months listening to their lame apologies and promises – but never got anything – not even a lousy copy of the record – all they did was belatedly stick a credit to me on their web site (ie myspace page) for the t-shirt design, as if that made everything hunky dory – the 7" sold out fast but i asked them to stop selling the shirts.

That was back in 2006 sometime – here we are in 2008, i’ve still received nothing and they are still selling the shirts against my wishes«

Trevor Browns Zusammenfassung der Dinge liest sich soweit recht interessant. Eigentlich drehte sich alles um Banalitäten: Die Band – Crystal Castles – will auf das Motiv per Zufall gestoßen sein: ein Flyer mit Browns Madonna-Motiv darauf habe den Anstoss gegeben, einen Credit habe das Bild nicht gehabt. Im weiteren Verlauf habe man sich dazu entschieden, die Single zu veröffentlichen, dazu eine T-Shirt-Reihe aufzulegen, der Künstler würde sich irgendwann schon melden und sich die Causa damit klären.

Tatsächlich wurde Brown auf die Veröffentlichung hingewiesen, meldete sein Urheberrecht bei der Band an und bat um angemessenen finanziellen Ausgleich. Im weiteren Verlauf nahm die Geschichte eine bizarre Eigendynamik an: Brown schrieb in der Folge mehrmals über die Kommunikation zwischen ihm, Last Gang Records, Crystal Castles und dem CC-Manager Mikey Apples, in den Kommentaren sammelten sich die Fans der verschiedenen Parteien zum lustigen Bashing und schlussendlich gab Brown genervt – und ohne finanzielle Entschädigung – auf. Eine lesenswerte Lektüre, an deren Ende eigentlich nur die Frage steht: Was darf »Indie«?

Making things even shorter: das mit 16 Stücken um ca. zehn zu lange, selbstbetitelte Album von Crystal Castles erscheint in Deutschland am 30. Mai (Pias / RTD), die Kollegen von Intro haben heute auch ein, zwei Sätze dazu verloren, das Artwork »in question« wird darauf nicht verwendet und das Video für »Courtship Dating / Tell Me What To Swallow« ist – nunja – Ansichtssache …

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