MEINE FRESSE

Punk ist, wenn man es trotzdem macht. Videos zum Beispiel. Weil die ja meist niemand sehen kann, weil sie niemanden zeigt.
Deshalb ist es auch irgendwie Punk, wenn man sie trotzdem zeigt, diese Videos. Bei Fast Forward zum Beispiel. Und irgendwie Punk ist auch das Lied, um das es hier geht: "My Mouth" von International Pony . Dem leidenschaftlichen Größenwahn und der DIY-Idee des Punk verwandt war nämlich auch deren Projekt "Hamburg Konzert": Denn der erste Auftritt im heimischen Basislager St. Georg sollte auch gleich der bislang aufwendigste werden. Wenn man am Nachmittag des 17.April vom Hamburger Hauptbahnhof auf das gegenüberliegende Schauspielhaus blickte, stockte einem vielleicht vor lauter Überraschung kurz der Atem, um dann aber einem breiten inneren Grinsen zu weichen: Über dem Portal des ehrwürdigen Hauses thronte in Broadway-Größe der Name INTERNATIONAL PONY. Denn nicht in irgendeiner Stricher-Junkie-Kneipe am Hansaplatz, dem Pony-Heim naheliegenden SM-Studio oder einem anderen St-Georg-Lokalkolorit versprechenden Ort sollte das langerwartete Homecoming zelebriert werden, sondern eben richtig fett Beach Boys-mäßig auf der riesigen Bühne des traditionsreichen Schauspielhauses. Und damit sich Stress und Wahnsinn ins Unermessliche potenzieren konnten, beschloss man, am gleichen Tag und Abend auch noch ein Video zur dritten Single "My Mouth" zu drehen. Freund und Berufswahnsinniger Sebastian Schultz ( Drehort St. Georg ) wurde verpflichtet, um, Konzert mit diversen Rahmenhandlungen verknüpfend, einen weiteren furiosen Pony-Clip zu produzieren. So wurden eifrig Hotelzimmer verwüstet, kleine absurde Szenen im Menschengewusel vor dem Eingang inszeniert (also starring: Angie Reed ) und schließlich fürs große Finale die in den ersten zehn Reihen tanzende Hansestadt-Hip-Jugend auf die Bühne geschubst. Selbst am drauffolgenden Abend, als Beck im Schauspielhaus gastierte, sah man Schultz in seinem Spielberg-Anorak und seine tapfere Crew noch mit irrem Blick die letzten Szenen in den berühmten Kasten bringen.

Herausgekommen ist ein zehnminütiger Kurzfilm mit dem Titel "My Mouth/A Beautiful Day", der am morgigen Donnerstag, den 5.6. bei Fast Forward (ab 22h, VIVA) seine Uraufführung erleben darf. Also, Grillparty aufschieben oder Videorecorder programmieren, das sollte man mal ausnahmsweise nicht verpassen.

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