Die Kunst zum Frühling

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Mona Hatoum The Negotiating Table 1983, Re-Performance – Freitag, 14 Uhr, im HKW

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Fünf Jahre nach seinem letzten Deutschlandabstecher kehrt das Gegenwartskunstfestival Meeting Points 6 nach Berlin zurück. Es tut dringend Not, vollziehen sich doch mit dem Arabischen Frühling seit seinem Beginn vor dreizehn Monaten vielerlei Umwälzungen in den Staaten und Zivilgesellschaften des arabischen Raums. Umso erfreulicher ist der Ansatz des Festivals, nach Stationen in Beirut, Cairo, Tunis, Amman und Brüssel im letzten Jahr, den Entwicklungen – statt mit allerhand flüchtigen Momentaufnahmen – in Form eines breiten Programms zu begegnen, von der arabischen Perspektive selbst ausgehend, den Dialog suchend und um eine historische Einordnung bemüht. Spex ist Medienpartner des Veranstaltungskomplexes, der heute Abend im HKW, Berlin, beginnt und am Samstag, dem 14. Januar, endet.

   Der federführende Young Arab Theatre Fund hat diesmal den aus Nigeria stammenden Dichter, Kurator und Kunstkritiker Okwui Enwezor, zur Zeit Direktor des Haus der Kunst in München und zuvor u.a. künstlerischer Leiter der Documenta 11, mit der Festivalleitung beauftragt. Den heutigen Programmauftakt übernimmt er mit seinem Vortrag Civitas, Citizenship, Civility: Art and the Civic Imagination (18 Uhr) selbst. Zu den weiteren inhaltlichen Höhepunkten aus den vier Bereichen Performance, Lesung, Diskussion und Film gehören noch am selben Abend die Performance The Sexual Physiology of Hermaphrodites (22 Uhr), in der die Künstlerin Samah Hijawi mit der Analogie biologischer Zwitter einen Einblick in die Gefühlswelt palästinensisch-stämmiger Jugendlicher in Jordanien gibt, und Orwa Nyrabias Lesung aus dem nie verfilmten Drehbuch Al-Qarmatia (23 Uhr) von Omar Amiralay. Dem in den Pariser Studentenunruhen von 1968 sozialisierten, syrischen Dokumentarfilmer wird im Jahre Eins nach seinem Tod eine Retrospektive gewidmet. Gezeigt werden sein Erstlingswerk Film-Essay on the Euphrates Dam (Samstag, 17:30) von 1970 und die kritische Doku Everyday Life in a Syrian Village (Samstag, 18 Uhr). Auf die aktuellen Ereignisse in Syrien, genauer: auf die Haftbedingungen politischer Gefangener und die Fragen ihrer Dokumentation, blickt die Lesung Can You Please Look at the Camera? von Mohammad Al Attar. Den Fokus auf die Bewegung in Tunesien legen hingegen die einheimischen TänzerInnen Hafiz Dahou, Aicha M'Barek und Radhoune El Meddeb, die den Umbruch von Beirut bzw. Paris aus erlebten und nun emotional in Do you believe me? (Freitag, 22:15) und Tunis le 14 Janvier 2011 (Freitag, 19:30) spiegeln.

   Heute ist der Eintritt frei, an den beiden anderen Festivaltagen beträgt er 10 bzw. ermäßigt 8 €. Das Programmheft ist nachfolgend eingebunden. Weitere Ansätze zum Thema bietet auch Wibke Wetzkers Artikel Revolutionskino im Jahre Null zum Abu Dhabi Film Festival in Spex #336 (aktuell am Kiosk).

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2 KOMMENTARE

  1. Klingt sehr interessant, aber etwas zu kurzfristig angekündigt und geht auch zu kurz um es da noch hinzsuchaffen. Danke aber dafür, dass das Programmheft integriert ist.

  2. @isarmatrose: Leider verhinderten Zeitknappheit und technische Probleme eine frühere Publikation. Die Veranstaltungen reichen aber weit in den Abend hinein, das sollte doch noch machbar sein bei Interesse?

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