Mavis Staples

Hier kommt die alte Schule! Mal wieder. Und im doppelten Sinn. 17 Jahre nachdem der Artist damals noch known as Prince Soul & Gospel – Heroine Mavis Staples auf seiner verkitschten »Graffiti Bridge« ein kräftig unkitschiges »Melody Cool« röhren ließ, leiht ihr erneut ein Prominenter seine Produzentenfinger: Ry Cooder, wer sonst? Für Rick Rubin wäre die kräftige Altstimme der legendären Staplesingers wahrscheinlich zu sendungsbewusst, missionarisch, ungebrochen im Vergleich zu Johnny Cash. Die Message steht hier im Mittelpunkt: man klappt das Booklet auf und blickt auf Mavis’ Papa und Vorsänger Pops Staples neben Martin Luther King. Geschichtsstunde eben. Aber aus aktuellen Gründen, nicht aus Nostalgie. »We’ll Never Turn Back« ist eine Beschwörung des Civil Right Movements der frühen 60er um den USA von heute die Schuppen von den Ohren zu kratzen. Hier sieht eine Veteranin die Früchte ihres Protestes gefährdet und singt dagegen an, als wäre kein halbes Jahrhundert (Musik)geschichte vergangen. Blues, Gospel, Soul, die alten Kampflieder (»We Shall Not Be Moved«, »This Little Light Of Mine«) mischen sich mit ein bisschen neuem Material, gesungene Nachhilfestunden. »My Own Eyes« zum Beispiel entwickelt sich von der balladesken Kindheitserinnerung (»Ja damals, Papa nahm mich mit zu Martin Luther King…«)  zu einem kräftigen Soulstampfer, der im überfluteten New Orleans wütend erkennt: Rassismus rules! Immer noch. Zwischen Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Bush und Nichtbush. Das alles in patentiert reduziertem Sound von Cooders üblicher Gang (Jim Keltner und Sohn Joachim): Gitarre, Bass, Drums, hin und wieder die typische Mandoline. Harmoniegesang von Ladysmith Black Mambazo. Kein Overdub zuviel, kleine Verspieler hier, eine verhauene Modulation da verstärken die Live-Atmosphäre. Heute, wo ähnliche Inhalte sich eher in kompromisslosen Raps und harten Beats äußern ist das ein Anachronismus. Man kann Ry Cooders typischen, kinderliedhaft einprägsamen Licks gar vorwerfen, auch den kräftigsten Aufschrei zu einem Fühl-Gut-Protestsong zu glätten. Aber darum geht’s hier.
    Protestmuskelmassage für die Masse: erdig, traditionell, bewährt.  »Sing Halleluja and never get tired« fordert Mavis am Ende von »I’ll Be Rested«.
    Nein, müde klingt sie wirklich nicht.

LABEL: Anti

VERTRIEB: SPV

VÖ: 20.04.2007

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