Matthew Dear „Asa Breed“ / Review

Matthew Dear macht jetzt also Popmusik, aber so richtig. Das hat sich schon herum gesprochen und im Vorfeld für Enttäuschung und mancherorts Empörung gesorgt. Wie, der Typ ist jetzt Indie? Immerhin hat sich der Mann mit den vielen Pseudonymen in den vergangenen Jahren ja in erster Linie mit 1a Floorfutter inklusiver maximaler Funktionalität in die Herzen und Beine unzähliger Tanzfreudiger gespielt. Sei es als False auf Minus, als Jabberjaw auf Perlon und natürlich nicht zuletzt als Audion für Spectral. »Mouth To Mouth« – der HIT – flutet heute noch die Clubs. Die Releases unter seinem bürgerlichen Namen hingegen waren immer schon vergleichsweise stark dem Melodischen zugetan, vor allem das Debütalbum »Leave Luck To Heaven« gilt nicht wenigen als Meilenstein des vom Pop infizierten Microhouse. Auch wenn Dears Vocals seinerzeit noch eine eher untergeordnete Rolle spielten, zu »Asa Breed« nun ist es kein allzu großer Schritt. Auch kein sonderlich überraschender. Ja, die Stimme steht hier im Vordergrund und – ja – die Stücke sind auf ein handliches Popformat runtergekocht, bewegen sich also etwa im Bereich drei bis vier Minuten, auch mal kürzer. Dass es im Hintergrund aber immer noch ordentlich rumpelt, knarzt, fiept und eine mitreißende srtipped-down Funkiness durch die Schaltkreise jagt, kann beim besten Willen nicht überhört werden. Matthew Dear zeichnet eine Verbindungslinie zwischen Lappop, sprödem, dabei stets wohligem Minimal und Indietronica, die jedoch nicht in der Niedlichkeitsfalle endet. Und wer zu Stücken wie »Pom Pom« oder »Don And Sherri« nicht tanzen mag, ist selbst schuld. So weit, so großartig. Im letzten Drittel des Albums will es Dear dann noch einmal ganz genau wissen: Er verzichtet nahezu komplett auf elektronische Gerätschaften und versucht sich an einem futuristischen Folk-Entwurf, der ihm richtigerweise schon Vergleiche mit Beck in dessen akustischen Schaffensperioden eingebracht hat. Das hat bisweilen durchaus Charme, das Bild des schmachtenden Crooners an der zärtlich gezupften Gitarre will ihm dann aber doch noch nicht ganz ohne Peinlichkeit zu Gesicht stehen, auch dass in Sachen Songwriting ein paar kurze Lektionen nachzuholen wären, vermögen diese intimen, offen vor uns liegenden Miniaturen nicht zu verbergen.

LABEL: Ghostly International

VERTRIEB: RTD

VÖ: 01.06.2007

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