Massive Attack »Paradise Circus«

Bristol strikes again: Überraschten gestern erst Portishead in »Chase the Tear« mit einem Krautrock-Track, so folgt heute das neue Musikvideo zu »Paradise Circus« aus dem heißersehnten fünften Studio-Album von Massive Attack. Den Gesangs-Part in »Paradise Circus« übernahm die amerikanische Songwriterin Hope Sandoval, ihre Stimme trägt das träumerisch-schlafwandlerische, mit Handclaps, einer brummenden Bassline und zarten Klavieranschlägen arbeitende Stück.

    Der dazugehörige, nicht jugendfreie Clip arbeitet nun mit Ausschnitten aus der »Goldenen Ära des Pornofilms«: 1973 ließ der Regisseur und Produzent Gerard Damiano den Teufel von der Kette. In dem heutigen Klassiker des Pornofilms »The Devil in Miss Jones« ließ er seine Hauptdarstellerin Georgina Spelvin als eiserne Jungfrau Justine Jones Selbstmord begehen, im Vorhof der Hölle gab ihr der Teufel eine letzte Chance zur Auslebung ihrer Triebe – was Jones zum Ende des Films letztendlich in den Wahnsinn trieb.

    Regisseur Toby Dye kürzte für Massive Attack nun den – Zitat – »Fuckfilm« auf fünfeinhalb Minuten herunter. Dazu berichtet die heute 73-jährige Georgia Spelvin in Videoeinspielungen von ihren Erinnerungen an den Dreh, erzählt von sexueller Leidenschaft und von ihren Gefühlen während des Akts. Unerotischer lässt sich das Video wohl kaum zusammenfassen, weshalb sich die Durchsicht des Clips an dieser Stelle anbietet – auf eigenes Risiko, einzelne Szenen sind explizit und für Zuschauer unter 18 Jahren nicht geeignet.

VIDEO: Massive Attack – Paradise Circus feat. Hope Sandoval (NSFW)

     »Die Leute gucken sich heutzutage alles auf YouTube an«, sagte Robert Del Naja im Spex-Gespräch der kommenden Ausgabe auf Musikvideos angesprochen. »Wir haben daher zehn Regisseure gefragt, ob sie bereit wären, für jeweils 5.000 Pfund ein Video zu realisieren. Wir haben ihnen keine Vorgaben gemacht, einfach abgewartet, was passiert.«

    Das ist natürlich nicht das erste Mal, dass Massive Attack in einem ihrer Videos das Thema Sexarbeit aufgreifen. Im Video zu ihrer William-DeVaughn-Coverversion »Be Thankful For What You Got« (Regie: Baillie Walsh) sah man 1991 der britischen Striptänzerin Miss Ritzy Sparkle bei ihrer Routine im West-Londoner Raymond Revuebar Theatre zu. Das im Vergleich zu »Paradise Circus« zahme Video durfte damals auf MTV nur nach Mitternacht ausgestrahlt werden.

    Zu den weiteren Meldungen: Massive Attack haben sich zusammengerauft: Grant »Daddy G« Marshall und Robert »3D« Del Naja haben sich vor einiger Zeit in Paris mit ihrem früheren Kollaborateur Tricky getroffen, wie Marshall BBC6 Music erklärte. Das Treffen sei gut verlaufen, alte Wunden verheilt: »Es wurde ja recht gut dokumentiert, wie es um das Verhältnis zwischen und und Tricky bestellt war. Nicht so gut, aber die Dinge haben sich gebessert.« Zu einer Kollaboration kam es nun doch nicht, allerdeings sei ein Engagement für das nächste, auf »Heligoland« folgende Massive-Attack-Album für Del Naja denkbar. Die letzte Zusammenarbeit zwischen Tricky und Massive Attack war das 1994er Album »Protection«, zuletzt ließ Tricky sein letztjährig erschienenes Album »Knowle West Boy« von der South Rakkas Crew durch den Dancehall-Fleischwolf drehen. Gegenüber Spinner.com ergänzte Grant Marshall zudem, dass außerdem Patti Smith und David Bowie als Gastsänger im Gespräch waren.   

    Das neue Album »Heligoland« von Massive Attack erscheint im Februar 2010, mehr dazu findet sich im großen Spex-Gespräch der kommenden Ausgabe (#324, ab dem 18. Dezember am Kiosk), in dem Robert Del Nadja auch erklärt, warum Massive Attack 2008 ein bereits fertig gestelltes Studio-Album kurzerhand gelöscht haben.

STREAM: Tricky – Tricky Meets South Rakkas Crew

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