Scheiße, die Neunziger sind zurück! Aber hurra, die Welt geht unter! Von Stranger Things bis Extinction Rebellion: Die Alternativlosigkeit des kapitalistischen Realismus weicht der puren Lust an der Zerstörung.

Hier geht es zum ersten Teil.

In ihrem Buch Kapitalistischer (Sur-)Realismus. Neoliberalismus als Ästhetik beziehen sich Georg Seeßlen und Markus Metz nur selten direkt auf Mark Fishers Capitalist Realism von 2009. Anders als er zeichnen sie auch in sehr freien Paraphrasen viel expliziter das Bild eines Subjekts des kapitalistischen Realismus. Sie ziehen es als Vergleich gegen den Menschen im kapitalistischen Surrealismus heran. Wo das Subjekt im kapitalistischen Realismus sich für erwachsen und vernünftig hält und sich damit tröstet, dass sein System „das kleinere Übel“ (KS S. 60) wäre, sei der „kapitalistische Surrealist (…) von alledem das exakte Gegenteil.“

„Er möchte das System nicht vernünftig akzeptieren, mit der Option, das Akzeptable eventuell vom Inakzeptablen zu trennen, er möchte es vielmehr auf die Spitze treiben. Er nimmt die Widersprüche des Systems nicht hin, sondern lebt sie exzessiv aus. Der kapitalistische Surrealist empfindet sich nicht als Erwachsener, der sich vernünftigerweise mit etwas abfindet, sondern als spielendes Kind, das ungehemmt seinen Experimentier- und Zerstörungsdrang auslebt. Er ist nicht mehr der Ingenieur des Kapitals, sondern sein Künstler. (…) Er akzeptiert das System total, aber er nimmt es nicht ernst.“ (KS S. 58)

Konkret gesprochen: Im kapitalistischen Realismus wird auf den CO2-Ausgleich des Jahresurlaubs geachtet oder lieber gleich an die Mecklenburger Seenplatte gefahren statt in einen Flieger zu steigen. Im kapitalistischen Surrealismus wird erst genussvoll ein Langstreckenflug in den All-Inclusive-Urlaub auf Bali gebucht, der Screenshot davon online gepostet und Greta Thunberg in der Caption verlinkt. Zwinkersmiley. Der Archetypus des kapitalistischen Surrealismus heißt Donald Trump, sein direkter Vorgänger ist Barack Obama, der Vertreter des scheinheiligen „progressiven Neoliberalismus”, wie die US-amerikanische Philosophin Nancy Fraser es nennt.

Hurra, die Welt geht unter – der kapitalistische Surrealismus regiert (Bild: SPEX).

Das Subjekt im kapitalistischen Surrealismus mag Kindlichkeit verabscheuen, ist im Grunde aber infantil und erinnert nicht von ungefähr an die Psychos, welche mittlerweile Film und Fernsehen gekapert haben:

„Der kapitalistische Surrealismus hat nicht nur das System durchschaut, wie etwa seine rationalen Gegner es von sich selbst glauben, er hat auch durchschaut, dass es gar nicht viel zu durchschauen gibt. (…) Kreativität ist sein Zauberwort, und immer meint er damit auch die Kreativität des Zerstörens.“ (KS 61)

Der kapitalistische Surrealismus ist getrieben von der Logik von Menschen, die online gegen Einzelpersonen oder Menschengruppen hetzen und all ihre Sprechhandlungen als „Satire“ markieren, weil sie wissen, dass das Gebot der Meinungsfreiheit auf ihrer Seite sein wird. Obwohl und gerade weil sie den Rechtsstaat selbst komplett bescheuert finden. Der Zusammenhang zwischen der Neuen Rechten und dem kapitalistischen Surrealismus liegt auf der Hand: Die zerstörerische Transgression wird zum Endzweck erklärt, um es allen einmal richtig zu zeigen. 

Zurück zum Populärmodernismus?

Fisher wollte nicht nur den kapitalistischen Realismus entlarven, indem er die darin vorherrschende Realitätsauffassung angriff, sondern war im selben Zug ein Vertreter von kritischer Nostalgie oder besser gesagt einer Art widerspenstiger Melancholie. Mit einem von Jacques Derrida adaptierten Terminus sprach er angesichts von Musikern wie Burial, The Caretaker oder den Acts des Labels Ghost Box von „Hauntology“:

„Hauntology im 21. Jahrhundert verhandelt nicht das Verschwinden oder den Verlust eines bestimmten Objekts. Verschwunden ist eine Tendenz, eine virtuelle Entwicklungslinie. Ein Name dafür wäre Popmoderne.“ (GmL S. 36)

Diese Pop-Moderne – im Englischen spricht Fisher griffiger von einem „popular modernism“ – wurde in Großbritannien durch eine Infrastruktur befördert, die Bildungsmöglichkeiten, Wohnraum und ein weitreichendes kulturelles Angebot ermöglichte. Die Politik war dabei behilflich, Alternativen zu ihr selbst zu eröffnen. Solange zumindest, bis mit dem Thatcherismus der große Knick kam und Thatchers Losung „There is no alternative“ sich langsam zur dominanten Ideologie verhärtete. Populärmodernistisch sind in diesem Verständnis billige Taschenbuchausgaben von weltliterarischen Werken genauso wie experimentelle Filme im Nachtprogramm der Öffentlich-Rechtlichen oder virulente Subkulturen wie Post-Punk, die auf der sozialen Vertikalachse ebenso offen waren wie horizontal durch die Kulturen hinweg. Hauntology greift in Fishers Sinne das Begehren nach einer solchen Tendenz wieder auf und führt es produktiv gegen den sterilen Retrowahn seiner Zeit ins Feld.

Es ist deswegen kein Zufall, dass vor allem die Achtzigerjahre im Mittelpunkt von Fishers Überlegungen stehen. Einerseits, weil er selbst 1968 geboren und dementsprechend im und mit dem Populärmodernismus heranreifte. Zugleich aber auch, weil von Post-Punk hin zum Streik der Minenarbeiter_innen in den Jahren 1984/1985 noch solidarische Bündnisse mit politischer Sprengkraft möglich waren. Derweil, versteht sich, auf der anderen Seite des Eisernen Vorhangs doch tatsächlich ein anderes ökonomisches und politisches System und somit auch eine „kohärente Alternative“ (S. 8) zum Kapitalismus existierte. Dass dann ab Anfang der Nullerjahre ein Schwung von Bands wie Franz Ferdinand oder die Arctic Monkeys aufkam und Post-Punk lediglich als „rein ästhetischen Stil“, nicht jedoch als „Ideal der Lebensführung“ (S. 15) wiederaufstehen ließen, mag deshalb besonders schmerzhaft gewesen sein.

Vor allem aber waren die Achtziger auch das Zeitalter, in dem nach dem Paradigmenwechsel vom Fordismus (Fließbandarbeit) zum Postfordismus (Flexibilitätsgebot, zunehmende Prekarisierung) die ideologischen Grundlagen für den kapitalistischen Realismus gelegt wurden. Ein Schlachtfeld, in dem ein fortschrittsgewandter Modernismus und die kontingente Postmoderne aufeinander prallten. Wer als Siegerin hervorging, wissen wir mittlerweile.

Scheiße, die Neunziger sind zurück!

In den vergangenen Jahren hat sich das Ziel der gesellschaftlichen Retro-Bewegungen beinahe unmerklich ein Jahrzehnt weiter verschoben. Choker, Buffalos, Fila, R’n’B und Gangsta-Rap, Spice-Girls- und Tic-Tac-Toe-Reunions oder die Vengaboys, die ravende Gesellschaft bei EDM-Stadionevents oder Trance-, Gabber- und Hardcore-Sounds selbst in den seriösen Clubs des Undergrounds gehören mittlerweile ebenso zum guten Ton wie My So Called Life-Reruns oder Friends-Bingewatching im passenden H&M-Pullover. Scheiße, die Neunziger sind zurück! Aber nicht nur irgendwie, nicht allein als detailgetreues Stilzitat. Sondern vor allem als Referenz auf die Stimmung des Siegestaumels nach dem „Ende der Geschichte“, das Francis Fukuyama 1989 kurz vor dem Fall der Mauer ausrief.

So paradox es klingen mag: Keine Serie bringt den Neunziger-Fetisch im Jahr 2019 besser zum Ausdruck als die in den Achtzigern angesiedelte Netflix-Produktion Stranger Things. Zwar mag das TKKG-meets-Mystery-Machwerk der Brüder Matt und Ross Duffner in den Achtzigerjahren spielen, es funktioniert aber nach der Logik, die 90s kids wie die Duffners perfektioniert haben: Die Nostalgie richtet sich in diesem Fall nicht auf tatsächliche Ereignisse oder Kulturprodukte, sondern den nachträglichen Konsum derselben. Die Magie, die Stranger Things ausmacht, stützt sich weniger auf originalgetreuen Synth-Pop und Vokuhilas, sondern auf die Anspielungen auf das Abend- und Feiertagsfernsehprogramm, mit dem Millennials aufgewachsen sind. All die Filme und Fernsehsendungen, die für die Zielgruppe immer schon da waren, werden anspielungsreich nochmal für sie aufgewärmt – als würden sie wieder nach der Schule auf der Wohnzimmercouch fläzen.

In der aktuellen Staffel beweist Stranger Things zugleich, dass die Geschichte eindeutig aus einer Perspektive nach den Achtzigern und damit aus einer Zeit ohne real existente Alternativen zum Kapitalismus heraus erzählt wird. War schon die erste Staffel als relativ plumpe Parabel auf den Kalten Krieg zu lesen, tauchen nun endgültig grobschlächtige Russen auf, die der freien Welt an den Kragen wollen. Ihr Schicksal ist jedoch von der ersten Sekunde an besiegelt: Im finalen Kampf, der selbstverständlich unter dem Fundament einer Mall ausgetragen wird, haben sie nicht einmal eine wirkliche Hauptrolle. Durch Stranger Things spukt nicht, wie Fisher noch angesichts des kapitalistischen Realismus schrieb, das Verschwinden des Kommunismus über den Bildschirm – sondern der totale Sieg des neoliberalen Kapitalismus der Reagan-Jahre, in denen Stranger Things angesiedelt ist. So sieht Hauntology heute aus.

Auf Reagan folgte in den Vereinigten Staaten ein Jahrzehnt des „irrationalen Überschwangs“, wie es der US-amerikanische Ökonom Alan Greenspan zu Hochzeiten der Dotcom-Blase einmal nannte. Die Sedimentierung neoliberaler Ideologie im Alltagsleben, wie sie uns jetzt durch den Rückgriff auf das Konsumverhalten der Zeit neu zubereitet wird, setzt sich durch und wird nebenbei massiv von der aufkeimenden kalifornischen Ideologie mitgeprägt, wie sie Mark Zuckerberg oder Elon Musk vertreten – zwei der größten kapitalistischen Surrealisten des Erdballs. Thatcherismus wich in den Neunzigerjahren New Labour und damit eine Iron Lady dem Lackaffen Tony Blair, Reagonomics dem Vorne-Feelgood-hintenrum-Hardcore-Kurs eines Bill Clinton und im wiedervereinigten Deutschland … Ja, fuck auch, Gerhard Schröder übernahm das Steuer! Schlimmer noch: Joschka Fischer brachte er gleich mit.

Während also auf der Love Parade „Friede, Freude, Eierkuchen“ skandiert wurde, fielen pünktlich ab 20 Uhr in der Tagesschau die Bomben auf den Balkan oder den Irak – scheinbar weit entfernte militärische Gräueltaten, die sich heute in anderen Ländern genauso zu wiederholen scheinen, wie von Rostock bis Solingen noch jeder kleinste Hauch von Nazi-Terror sein Revival feiert. Der kapitalistische Surrealismus hat in Verbindung mit rechtskonservativen und -extremen Kräften also die Achtziger abgestreift und das Neunziger-Mindset aufgesetzt: Alles wird gefeiert und dabei aus vollen Rohren gefeuert. Irrationaler Überschwang, totale Zerstörung – ein großer Spaß! Oder zumindest die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer alles ausradierenden Apokalypse. Da hilft es auch nichts, dass Fukuyama seine These von damals zwischenzeitlich kleinlaut zurückgenommen hat.

Keine Sorge, es wird noch schlimmer!

Der kapitalistische Realismus ist auch Ausdruck einer spezifischen Zeiterfahrung nach diesem „Ende der Geschichte“, welches der Siegeszug der liberalen Demokratie mit sich gebracht hat. Während die Vergangenheit seit den Neunziger zunehmend zitier- und samplebar wird, dehnt sich die Gegenwart umso mehr aus. Die Zeit gerät, mit einem Wort Hamlets, aus den Fugen. Eine „missmutige Überzeugung (…), dass niemals etwas Neues geschehen wird“ (S. 9), macht sich ausgehend von dieser Doppelbewegung breit und später konstatiert Fisher sogar mit einem Ausdruck Franco ‚Bifo‘ Berardis ein „allmähliche(s) Aufkündigen der Zukunft“ (GmL S. 17). Im ständigen Strudel von Aufreger-News, die schneller vergessen sind als sie verdaut wurden, hat das heute noch seine Gültigkeit, wie auch der kapitalistische Realismus als Haltung noch nicht komplett vom kapitalistischen Surrealismus aufgefressen wurde. Beide stehen in perfider Konkurrenz zueinander.

Aber es wird auch merklich, wie der surrealistische Drang in Richtung der Katastrophen langsam gesellschaftlich und kulturell ein Zuviel von Zukunft konstruiert. Nicht allein durch einen „Überwachungskapitalismus“, wie ihn Shoshana Zuboff zuletzt analyisiert hat und dessen ultimatives Ziel es ist, uns in unserem zukünftigen Verhalten zu lenken, oder im Finanzkapitalismus, wo im Derivathandel Richtung Zukunft spekuliert wird. Auch die gesellschaftspolitische Stimmung richtet sich immer weiter nach vorne aus. 

Ob rechte Paranoia wegen einer drohenden „Umvolkung“ oder die Angst vor der Wiederkunft des Faschismus: Die Gesellschaft, da sind sich alle Seiten endlich einmal einig, geht den Bach runter. Umso mehr natürlich, weil die Klimakrise gleich die Menschheit im Gesamten zu verschlingen droht. War die spöttelnde Rede vom Weltuntergang im Jahr 2012 noch ein Freudenfeuerwerk von ironischen Maya-Memes, scheint er nur sieben Jahre später Gewissheit. Um ein hier Fredric Jameson, dort Slavoj Žižek zugeschriebenes Bonmot zu paraphrasieren, das laut Fisher maßgeblich die Ausgangssituation des kapitalistischen Realismus auf den Punkt bringt: Es ist nicht nur mehr einfacher, sondern scheint im kapitalistischen Surrealismus schlicht folgerichtig, sich das Ende der Welt vorzustellen als das des Kapitalismus. There must be no alternative.

Handelten Bewegungen wie Occupy noch aus den richtigen Gründen und scheiterten an genau dem Grundproblem des kapitalistischen Realismus, eben keine kohärente Alternative präsentieren zu können, wird kollektive Partizipation in der westlichen Welt im Netz und auf der Straße mittlerweile als komplett entpolitisierte Spektakel aufgeführt. Schlimmer noch als im Paradebeispiel Fishers für den kapitalistischen Realismus – Live Aid! Bono! – werden nicht mehr allein Pflaster verteilt. Stattdessen gibt es zwischen absoluter Apokalypse und leeren Heilsversprechungen kein Mittelmaß mehr. Die Parole lautet: Ex oder hopp!

Mehr Business-Punk geht nicht!

Das zeigte sich jüngst an einer selbsternannten „Bürger*innenversammlung“, die für den Sommer 2020 im Berliner Olympiastadion (of all places!) angekündigt ist. Das Veranstaltungsteam dahinter will mal eben 1,8 Millionen Euro mit dem Ziel crowdfunden, um, richtig, die Welt zu retten. Soll heißen: Vorträge zu hören und Petitionen zu unterschreiben. Kostenpunkt pro Person: mindestens 29,95€. So also funktioniert Demokratie im kapitalistischen Surrealismus. Initiiert wurde die ganze Geschichte von einem Berliner Start-Up, das sein Geld mit Kondomen macht. Okay! 

Ein noch besseres Beispiel bietet die Extinction Rebellion, die schon dem Namen nach keine Revolution, sondern höchstens eine Rebellion sein will. Fisher hatte noch das dem kapitalistischen Realismus entgegenlaufende Potenzial jeder „grünen“ Protestbewegung hervorgehoben:

„Die Bedeutung der ökologischen Kritik gründet sich im Folgendem: Sie legt nahe, dass der Kapitalismus – weit entfernt davon, das einzig realisierbare polit-ökonomische System zu sein – in der Lage ist, die gesamte menschliche Umwelt zu zerstören.” (S. 26/27)

Der Duktus von XR ist ein anderer, und er ist fatalistisch: Das wird unweigerlich geschehen, heißt es, wenn nicht – ja, wenn was eigentlich? Darüber kann diese lose Bewegung kaum ein kohärentes Statement vorbringen. Die Lösungsansätze reichen von mehr Emissionssteuern hin zu de facto antikapitalistischen Vorschlägen – Einigkeit herrscht allerdings kaum. Im Zentrum steht aber sowieso ein überkandideltes Spektakel der katastrophalen Angstlust. „Wenn etwas gegen tätigen, konkreten Antikapitalismus spricht, dann ist es die uncoole, unsexy Hässlichkeit. Oder mehr noch: die Unscheinbarkeit“ (KS S. 60), heißt es bei Seeßlen und Metz. Von der eben versuchen sich auch XR zu distanzieren und erhebt das zum Selbstzweck. Das Resultat ist eine vollständige Entpolitisierung des Protests. Denn der Kapitalismus wird von XR auch deshalb nicht grundlegend kritisiert, weil er bei der Entstehung des Spektakels beteiligt war. Klimaproteste nicht als Greenwashing, sondern als Investitionsmöglichkeit betrachten: Mehr Business-Punk geht nicht. Oder hoffen wir zumindest, dass nicht mehr geht.

Angesichts all dessen kann uns Capitalist Realism heute kaum mehr die Welt und unseren Blick darauf erklären. Die kulturellen, sozialen und politischen Prozesse, für die Fishers Buch im Jahr 2009 ein so erhellender Gradmesser war, haben sich mittlerweile noch mehr verselbstständigt. Dennoch sollte Fisher weiterhin gelesen werden. Um aus der Vergangenheit heraus die Gegenwart zu verstehen, bevor die Zukunft uns endgültig zerdrückt. Oder eben, um aus ihr doch noch eine andere zu gestalten. Und dazu bleibt es weiterhin nötig, dass die Effekte selbst des kapitalistischen Surrealismus

„wieder an ihre eigentlichen Gründe zurückgebunden werden. Entgegen der postmodernen Skepsis gegenüber einer großen Erzählung müssen wir erneut deutlich machen, dass dies keine isolierten, kontingenten Probleme sind, sondern im Gegenteil, die Folgen einer einzelnen, systemischen Ursache: die des Kapitals. Wir müssen beginnen, Strategien gegen das sich ontologisch und geografisch allgegenwärtige Kapital zu entwickeln – und zwar so, als würden wir dies zum ersten Mal tun.“ (S. 91)

Gerade weil die Umstände mittlerweile andere sind, gilt das umso mehr. Dass Fisher, der sich Anfang 2017 das Leben nahm, dazu mit seinem Scharfsinn und Witz nicht mehr beitragen wird, ist nicht weniger eine Tragödie.

Alle Zitate aus:

Mark Fisher: Kapitalistischer Realismus ohne Alternative? Eine Flugschrift, übers. v. Christian Werthschulte, Peter Scheiffele und Johannes Springer, 2. unveränderte Auflage, VSA 2017.
Capitalist Realism. Is There No Alternative?, 0 Books 2009.

Mark Fisher: Gespenster meines Lebens. Depression, Hauntology und die verlorene Zukunft, übers. v. Thomas Atzert, Edition Tiamat 2015.
Ghosts Of My Life. Writings On Depression, Hauntology And Lost Futures, Zero Books 2014.

Markus Metz/Georg Seeßlen: Kapitalistischer (Sur-)Realismus. Neoliberalismus als Ästhetik, Bertz + Fischer 2018.