Mark Ernestus & Jeri-Jeri

Jeri-Jeri
MARK ERNESTUS PRESENTS JERI-JERI

800% NDAGGA & NDAGGA VERSIONS
NDAGGA / INDIGO

Der beste Produzent für afrikanische Musik hierzulande heißt derzeit Mark Ernestus. In den 90er-Jahren hat der Gründer und Betreiber der Berliner Plattenladen-Institution Hard Wax mit seinem früheren Kollegen Moritz von Oswald und Labels wie Basic Channel oder Chain Reaction die Geschichte von Techno umgeschrieben, indem er Parallelen zu karibischer Musik freilegte, und sich in der Folge durch das gemeinsame Projekt Rhythm & Sound einen Namen als Dub-Produzent machte. Seit einigen Jahren erkundet Mark Ernestus nun verstärkt den afrikanischen Kontinent. Für das Label Honest Jon’s stellte er die Compilation Shangaan Electro mit südafrikanischer Hochgeschwindigkeitsmusik zusammen, er remixte die kongolesischen Likembe-Stars Konono N°1 und vertiefte sich gründlich in die Mbalax­ beziehungsweise Ndagga-Musik aus dem Senegal und aus Gambia.
   Die Ergebnisse von Ernestus’ Feldforschung in Dakar liegen jetzt gebündelt unter dem Titel 800% Ndagga vor. Sie dokumentieren die scheinbar ganz von selbst fließende Kunst von Jeri­ Jeri, einem Clan von Sabartrommelspielern, geleitet vom Perkussionisten Bakane Seck, dessen »Straßenmusik« die Kategorien Groove und Komplexität so souverän verschaltet, dass erhöhte Suchtgefahr besteht. Das Geheimnis von 800% Ndagga sowie den parallel veröffentlichten Nachbearbeitungen Ndagga Versions liegt in Ernestus’ am Dub geschultem Verständnis von Reduktion und Isolation. Dadurch macht er die rhythmischen Strukturen durchlässiger – wirklich nachzuvollziehen ist ohnehin nicht, was die bis zu 14 Schlagzeuger in einem einzigen Stück an Schichten zusammentragen.
   So können die einfach wirkenden Grundmuster – eine Bassfigur etwa braucht selten mehr als vier Töne – sich wie von selbst tragen: Es sind kleine Verschiebungen im Gesamtgefüge, die für Bewegung sorgen und ein Kaleidoskop aus Akzenten entstehen lassen, in dem bloß ein paar Gitarren­ und Keyboardklänge zur Vervollständigung nötig sind. Auf 800% Ndagga kommen verschiedene Sänger hinzu – den Auftakt macht der senegalesische Popstar Baaba Maal, neben Youssou N’Dour der bekannteste Mbalax-Sänger seines Landes –, ohne dass sich einer von ihnen in den Songs übermäßig in den Vordergrund drängen würde. Die Originale stehen gleichberechtigt neben den Versions, letztere heben einzelne Instrumente lediglich stärker hervor oder legen das Rhythmusfundament eines Stücks frei. Anders als in den (Dub-)Versions der Produktionen von Rhythm & Sound, wird bei Jeri-Jeri weitgehend auf Hall und Echo verzichtet, vom Gesang einmal abgesehen. Es sind trockene Aufnahmen, die ihrer Aufgabe, subtile Details und Nuancen wieder­ zugeben, wunderbar gerecht werden.
   Jeri-Jeris Musik ist von solch beiläufiger Perfektion, schwitzt ihren Funk derart diskret aus und verströmt eine so sanft euphorisierende Ener­ gie, dass man sich nur wünschen kann, sie möge viele, viele Hörer finden. Wie sagt doch Jeffrey Wright als Don Johnstons Nachbar Winston in Jim Jarmuschs Film Broken Flowers über die Musik von Mulatu Astatke? »It’s good for the heart.« Für Jeri­Jeri gilt uneingeschränkt dasselbe.

Jeri-Jeri sind ab heute auf Tour. Weitere Informationen auf ndagga.com.

12.06. Düsseldorf – KIT Café
13.06. Berlin – Festsaal Kreuzberg
14.06. Niederstetten – Kult 

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