Mark E. Smith And Ed Blaney

»Okay, meine Freunde. (…) Zieht Euch den Song rein, Alter. Mark E. Smith and Ed Blaney, ey. Meine Freunde. Habt Ihr noch ein Problem, Alter?« Nach dieser eher echte Begeisterung als Eloquenz ausstrahlenden Ansage eines DJs bricht das Inferno los: eine brutale, vor keinem Feedback-Exzess Halt machende Coverversion von »Transfusion«. Blaney arbeitet an der Gitarre, Smith bellt den Text von Nervous Norvus alias Jimmy Drake, der mit diesem Novelty Song Mitte der fünfziger Jahre einen Hit landete: »Oh, when you see me coming better start to pray.« An diesem Stück, in dem es um einen beratungsresistenten Highway-Raser geht, der nach jedem Unfall um Bluttransfusionen bittet und immer wieder verspricht, nie nie nie mehr so schnell zu fahren, muss Smith einen Narren gefressen haben: The Fall variierten in »Rowche Rumble« bereits Verse daraus, nun kehrt es zusätzlich in Form eines stampfenden Remixes am Ende als Hidden Track wieder. Fangt besser schon mal an zu beten, wenn Ihr das in einer übel beleumundeten Disco kommen hört!

    Die Zusammenarbeit mit Ed Blaney bildet den Schlusspunkt eines für Smith äußerst produktiven Jahres. Zuerst war seine äußerst unterhaltsame Autobiografie »Renegade« zu lesen, anschließend erschien mit »Imperial Wax Solvent« eines der besten Alben von The Fall seit langer Zeit. Kein Wunder, dass sich der Hip Priest mit seinem alten Kumpel Ed Blaney – der Radio-DJ in Salford war Sänger bei Trigger Happy und später zeitweise Gitarrist und Manager von The Fall – nun an keinerlei Konvention gebunden fühlt und sich einmal richtig austoben darf. Schließlich wollen die beiden eine »Real Good Time Together« haben, wie der zweite, anfangs zart besaitete, dann elektrifizierte und umso ausgelassenere Song ihres gemeinsamen Albums nicht müde wird zu betonen. Jenes ist folgerichtig angefüllt mit rohen Song-Skizzen, unbeschwerten und spontanen Jam-Sessions mit der Akustikgitarre wie dem zweiteiligen »The Train«, Field Recordings und schwer groovenden Improvisationen wie »Ludite«, die allesamt den Charme des Unfertigen versprühen, vor Einfallsreichtum indes nur so strotzen.

    Der eigentlich Bandmitglieder wie Grillkohle verheizende Smith lässt Ed Blaney sogar zu seinem Recht als Sänger kommen, was etwa bei dem melancholischen »When We Were Young« nicht die schlechteste Idee ist. Ob des unausgegorenen, geradezu fragmentarischen Charakters der Musik wird dieser Longplayer fraglos nicht jedermanns Sache sein und für den TV-Stuss »Singing Bee« kann man ihn auch nicht uneingeschränkt empfehlen, selbst wenn das zur Abwechslung ja mal lustig wäre; für den Fan von Mad Mark ist »Smith And Blaney« jedoch ein weiterer Beleg seiner unverminderten Experimentierfreude.

LABEL: Voiceprint

VERTRIEB: RTD

VÖ: 24.10.2008

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