Margarete Stokowski »Untenrum frei« / Review

Die rape culture ist nicht totzukriegen. Der Feminismus aber erst recht nicht, keine Sorge. Dafür sorgt auch das Buch Untenrum frei von der Journalistin Margarete Stokowski, das dieser Tage bei Rowohlt erscheint.

Einer der vielen guten Sätze aus diesem Buch lautet: »Es ist kompliziert geworden, und es gibt kein Zurück.« Worum geht es hier? Um Feminismus, einerseits. Um persönliche Freiheit, andererseits. Gehören natürlich zusammen, widersprechen sich aber manchmal – wie gesagt, es ist kompliziert, aber zurückrudern? Auf keinen Fall. Dazu ist zu vieles noch nicht erreicht, wie zum Beispiel die echte Freiheit von »untenrum« (Sex) und obenrum (Geist), die erst zu wahrer Entscheidungsfreiheit führt. Spiegel-Online-Kolumnistin Margarete Stokowski legt in ihrem Buch Untenrum frei haufenweise Widersprüche offen, denen sich Frauen – ob sie sich als Feministinnen bezeichnen oder nicht – heutzutage ausgesetzt sehen, angefangen von der Schönheitsarbeit am eigenen Körper bis zur entwürdigenden Debatte, ob man an einer Vergewaltigung nicht doch ein bisschen mitschuldig ist.

Am stärksten ist Stokowski, Wenn sie übers Ritzen, Saufen, Diskriminiert- und Belästigtwerden schreibt.

Es ist ein Buch des Sowohl-als-auch, das sich vom Ansatz und teilweise auch von den beschriebenen Situationen erst mal nicht grundlegend von Laurie Pennys Unsagbare Dinge unterscheidet. Genau deswegen ist es aber auch so wichtig – noch ein Widerspruch, scheinbar. Doch ein kleiner Blick auf »Kommentare« unter Stokowskis Online-Artikeln macht klar, dass es gar nicht genug solcher Bücher geben kann. Untenrum frei verbindet biografische Episoden mit sachbuchartigen Teilen, z.B. über die 1968er-Frauenbewegung. Am stärksten ist Stokowski aber immer dann, wenn sie mit scharfem Blick und noch viel schärferer Sprache dorthin geht, wo es wirklich weh tut, nicht zuletzt sich selbst: Wenn sie übers Ritzen, Saufen, Diskriminiert- und Belästigtwerden schreibt. Manchmal muss man aber auch kichern, zum Beispiel wenn sie juvenile Masturbationsphantasien angesichts von Hüpfball-Griffen beschreibt. Kompliziert, das alles, aber wichtig.

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