Mando Diao / Sugarplum Fairy

Nachdem Mando Diao ihr erstes Album veröffentlicht hatten, tönten die Schweden gerne mal, sie seien schon jetzt besser als die Beatles. Wahrscheinlich hatten sie da einfach etwas verwechselt, denn eigentlich klangen sie auf ihren ersten beiden Alben lediglich wie eine gefährliche Mischung aus den Stones, Oasis und den Libertines. Gefährlich darum, weil einige ihrer im Grunde beinöden Stücke genug Halligalli-Potenzial besaßen, um als Marodier-Soundtrack in der Indiedisco zu taugen. Auf »Road To Ochrasy«, auf dem Mando Diao über ihre Zeit auf Tour erzählen, mischen sie unter diese stinknormalen Referenzen noch ein wenig ebenso stinknormale Franz Ferdinand hier und da. Solange Mando Diao uptempo bleiben, liefern sie verlässliche, berechenbare Tanzmusik ab. Wenn sie Lautstärke und Tempo zurücknehmen, dann kommen allerdings keine Anwärter für die blöde Kategorie »peinlichster Lieblingssong« heraus, sondern hingenölte Poprock-Tracks, durch die im schlimmsten Fall Psychedelia wabert oder Streicher amokmäßig loslegen. »Ode To Ochrasy« klingt, als wäre das einzige Ziel dieser Band, einen so genannten amtlich produzierten Sound zu haben. Das hat geklappt.

    In die ausgelatschten Normalo-Rock-Schuhe, in denen Mando Diao unterwegs sind, schlüpfen leider auch Sugarplum Fairy. Mitglieder beider Bands sind in irgendeiner Art und Weise miteinander verwandt und teilen sich außer vorteilhaftem Top-Aussehen auch eine seltsame Faszination für die Standardausgabe von Poprock. Ihr neues Album »First Round First Minute« ist im Grunde eine Mini-Ausgabe der zweiten Mando Diao-Platte »Hurricane Bar«, und zwar eine echt sympathischere. Diese unglaublich jungen Typen haben den ungeschliffeneren Sound und die netteren Pop-Ideen, auch wenn sie ihre Vorlagen wie Oasis ab und zu ordentlich missverstehen. Am Ende haben die Kleinen gegen die Großen gewonnen und das etwas weniger verzichtbare Autofahrer-Rockalbum zustande gebracht. Ich glaube, so was nennt man einen »soliden Silberling«, wenn man ein freundlicher Mensch ist.

LABEL: EMI / Universal Music

VERTRIEB: EMI / Universal Music

VÖ: 24.08.2006

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