Malik

Die aktuell erfolgreich(st)e Marschrichtung im deutschsprachigen Rapraum – die mit den meisten »unterhaltenen« Zuhörern und Kritikern – ist und bleibt auch in diesem Jahr der harte Straßenrap. Dass beim Diskurs über dieses Thema kein Klischee ausgelassen wird, erschwert nicht nur den Zugang, sondern lässt leider allzu oft ein falsches Bild entstehen. Fakt ist: Der allgemeine Konsens über Rap in Deutschland hat sich mit dem Erstarken des straßenlastigen Untergrunds verändert. Aber eines gilt eben immer noch: Rap muss unterhalten und dabei am besten Realitäten vermitteln. Tut er das nicht, sollte er zumindest unterhalten.
    Am Freiburger MC Malik scheinen die Diskussionen um die vielzitierte »Realness« abzuprallen, da er schon seit einer knappen Dekade reimt und in dieser Zeit nie durch opportunistische Imagewechsel aufgefallen ist. Vielmehr kickt er konstant seine Realität, die schon durch sein Erscheinungsbild jedem verdeutlicht wird: aufgrund eines Genfehlers und trotz zahlreicher Operationen ist er von Geburt an bis heute auf einen Rollstuhl angewiesen. Durch diesen Umstand hat Malik buchstäblich am eigenen Leib erfahren, was Ablehung bedeutet. Diese realen Erfahrungen sorgen bei seinem Debut für ein Konvolut an Hasstiraden gegen die Gegner und Zweifler. Auch gerade die Haltung der Industrie spricht Bände, da er bei vielen Labels als »nicht vermarktbar« galt – wegen seiner Behinderung. Dies führte nun dazu, dass er im Alleingang über sein eigenes Label KanakStarrs veröffentlicht. Sicher, die Sprache auf »Gerecht Gerächt« ist simpel und übertrieben, aber durchaus effizient (Die Diskussion um das Für und Wider von Kraftausdrücken mag bitte an anderer Stelle geführt werden), seine Bezugnahme auf »Kanaken« polarisiert. Inhalte wie Rache, Wut, Schmerz, oder das obligatorische Dissen der anderen sind natürlich schon tausendfach durchexerziert worden, was den Hörgenuss sicherlich schmälert. Aber durch seine Erlebnisse und Lebensumstände erreicht er eine Authentizität, die bei vielen anderen Rappern mindestens fragwürdig bleibt. Neben den obligatorisch allgemein gehaltenen Punchlines und klassischem »Boast and Brag« bekommen auch viele auf persönlicher Ebene ihr Fett weg: Michi Beck etwa in »G-Spot«, der Malik einst wenig charmant als »Roll-MC« betitelt haben soll. Diese persönliche Ebene ist natürlich ein bekanntes und kontroverses Stilmittel, welches gerne verwendet wird, um Aufmerksamkeit zu erregen, dabei aber oft einen schalen Beigeschmack hinterlässt. Aber trotz der inhaltlichen und musikalischen Längen, der übertriebenen Sprache und den simpel gestrickten Reimen bleibt hier ein solider Soundtrack zum Frustablassen, der, wenn benötigt, durchaus seine Wirkung erzielt – und unterhält.

LABEL: KanakStarrs Records

VERTRIEB: Omniamedia / Sony DADC

VÖ: 15.06.2007

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