Malakoff Kowalski „My First Piano“ / Review

Traumwandelnd klingen Kowalskis Kompositionen, wenn auf My First Piano leichtfertig und ohne musikalische oder intellektuelle Erklärung Klassik und Jazz-Einflüsse verquickt werden.

Eigentlich braucht es My First Piano nicht. Denn was darauf zu hören ist, kennt man nicht nur in der Popgeschichte bereits. Das reicht viel weiter zurück. Anders könnte man sagen: Der Akt der harmonisch reinen und miniaturhaft verspielten Klavierkomposition ist auserzählt. Das gibt es schon seit Bach, und da und auch später in wesentlich komplexeren Formen. Und wer die Einfachheit des Klavierspiels und das verträumt Repetitive schätzt, ist mit Eric Satie bestens bedient. Dennoch hat My First Piano von Malakoff Kowalski einen gewissen Reiz. Der liegt in erster Linie darin, dass hier überhaupt nicht der Anspruch erhoben wird, etwas Neues zu schaffen. Vielmehr steht das professionalisierte Klimpern im Vordergrund. Darin ist der in den Siebzigerjahren in Boston geborene Musiker, der mittlerweile in Berlin ansässig ist und vor allem als Film- und Theatermusiker in Erscheinung tritt, ziemlich gut.

Er klimpert, was sein musikgeschichtlich geschultes Hirn so hergibt.

Er klimpert, was sein musikgeschichtlich geschultes Hirn so hergibt, wie nebenbei und ohne den Anspruch, den großen eigenen Wurf zu schaffen. Zum zweiten – und das ist ein Argument für und gegen dieses Album – geht es hier nicht um Musik im Allgemeinen, sondern um Kowalskis ganz subjektiv-biografische musikalische Welt. Denn das Klavier, auf dem man ihn spielen hört und das so aufgenommen wurde, dass man sämtliche Mechanik – die Dämpfer wie das Pedal dieses alten Kastens – hört, ist tatsächlich das Klavier aus Kowalskis Kindheit. Die früheste musikalische Heimat also, auf der die Mutter spielte (Bach, Brahms, Schubert und Skrjabin, wie der Pressetext verrät), während das Baby Kowalski, das auch das Cover ziert, unter dem Klavierhocker lag und schlief oder zuhörte oder schlafend zuhörte. Und traumwandelnd klingen nun auch die Kompositionen, wenn leichtfertig und ohne musikalische oder intellektuelle Erklärung Klassik und Jazz-Einflüsse verquickt werden. Diese Haltung macht das Hören von My First Piano strukturell gesehen höchst entspannend.

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