Major Lazer Peace Is The Mission

Es macht nicht mal Spaß, diese Platte zu verreißen. Major Lazors Peace Is The Mission klingt wie zwischen Tür und Angel im Hotelzimmer produziert.

Aufgewachsen und sozialisiert mit HipHop, Reggae, Dub und Hardcore, arbeitet Diplo seit gut zehn Jahren an einer Form von Popmusik, die soundästhetisch radikal und zugleich anschlussfähig an den Mainstream sein will. Den einen gilt er als genial, anderen als Fledderer, der sich schamlos bei allem bedient, was die Ghettos so hergeben, von Sissy Bounce bis Baile Funk. Darauf, dass der US-Amerikaner den einen oder anderen guten Beat gebastelt hat, kann sich trotzdem jeder einigen. Manche seiner Produktionen für Azealia Banks, M.I.A., Santigold waren stilprägend. Auch das erste Major-Lazer-Album Guns Don’t Kill People … Lazers Do zog unzählige Radiohits der gleichen Bauart nach sich. Zerhäckselte Stimmsamples, rollende Snaredrums und aufgebrezelte Subbässe allerorten – Beyoncés »Run The World (Girls)« ist vielleicht das prominenteste Beispiel. Diplo wurde zum Global Player der Popkulturindustrie und musste für alles die Regler schieben, was noch einen Majorplattenvertrag hatte. Seit geraumer Zeit scheint die Luft raus, auch das letzte Madonna-Album konnte er nicht mehr retten.

Ähnlich bieder und glatt klingt Peace Is The Mission, das neue Major-Lazer-Minialbum, eines von dreien, die im Laufe des Jahres 2015 unter die Leute gebracht werden sollen. Ging Diplo seinerzeit damit hausieren, dass das Debüt Guns Don’t Kill People … Lazers Do standesgemäß auf Jamaika aufgenommen worden sei, wirkt Peace Is The Mission eher wie zwischen Tür und Angel im Hotelzimmer produziert. Zu hören gibt es die immergleichen Tröten- und Fanfareneffekte, die seit Jahren in keinem EDM-Track fehlen dürfen. Nun ist EDM-Haterei geschmäcklerisch und öde, aber für jemanden, der mit seinen eklektischen Beats tatsächlich mal versucht hat, Radiopop arschwackeltauglich zu machen, ist das reichlich wenig. Wie zum Ausgleich hat Diplo sich viele Gäste ins Boot geholt. Die Chicagoer Indieband Wild Belle wird im Eröffnungstrack gefeaturet, es gibt Kollaborationen mit Pusha T, Ellie Goulding und der dänischen Sängerin MØ. Doch auch die scheinen bei den Aufnahmen vor allem auf die Uhr geschaut zu haben. Es macht nicht mal Spaß, diese Platte zu verreißen. Man will lieber irgendwas Schönes machen. Draußen scheint die Sonne. Man könnte Eis essen gehen oder so. Vielleicht Major Lazer 2009 hören. Stattdessen sitzt man da mit Major Lazer 2015. Man schaut selbst nur noch auf die Uhr und wartet auf den finalen megadramatischen Drop. Endlich. Der letzte Song. 40 Sekunden. Jetzt nur noch 20. Zehn. Drei, zwei, eins … Puh, Feierabend.

3 KOMMENTARE

  1. Na sorry aber das review kann ich nicht wirklich ernstnehmen. Aus jeder zweiten Zeile spricht der persönliche Hass gegen Diplo, zur eigentlichen Musik werden bestenfalls 2 Sätze gesagt. Ich persönlich finde die bisher ans Tageslicht gelangten Songs alle sehr gut, auch die Single „Lean On“ ist zum einen eine Glanzleistung der Sängerin Mø, zum anderen eine wohltuende Abwechslung zum sonstigen Radio-Brei.

    EDM-Haterei ist zum einen absolut öde, zum anderen an dieser Stelle völlig unangebracht und erscheint daher nur als Vorwand für persönlich Ablehnung und Neid. Wenn man sich die Songs „All My Love“, „Night Riders“, „Lean On“ sowie das kurzzeitig geleakte „Powerful“ anhört geht es hier ja eben gerade nicht um stumpfe EDM-Drops sondern um echte und nebenbei gute (Pop-)Songs mit interessanter und durchaus ungewöhnlicher Produktion.

  2. Kann der Besprechung nur zustimmen – insgesamt hauptsächlich völlig belanglose Musik. Von „Powerful“, welches in der Zeichentrick-Serie noch höchst amüsanter überdrehter Pop war findet sich hier leider nur eine Version, die durch den Austausch der Vocals jeglichen Charm verloren hat.

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