Alles eine Frage der Zeit! Vom 20. bis 29. März kommen Musiker_innen von überall her, um in Berlin ein bisschen davon bei MaerzMusik zu verbringen – von SPEX präsentiert.

AchtungWie uns gerade mitgeteilt wurde, muss die Maerzmusik in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Epidemie abgesagt werden. Bereits gekaufte Tickets werden zurückgenommen und erstattet. Nähere Informationen findet ihr unter: www.berlinerfestspiele.de

Zeit ist Geld, und wie Geld ist Zeit ein Instrument der Machtausübung. Sie bestimmt unsere Lebens- und Arbeitsweisen, obwohl sie eine reine Erfindung im Dienste weltanschaulicher und wirtschaftlicher Interessen ist. Dennoch: Wir alle richten uns nach ihr. Auch zwischen dem 20. bis 29. März in Berlin bei der diesjährigen Ausgabe des Festivals für Zeitfragen, MaerzMusik. Das erstreckt sich wie gewohnt von Konzerten über Installationen und Diskursformate hin zu Filmpräsentationen – und wird die (Zeit-)Investition wert sein.

Im Jahr 2020 geht MaerzMusik an den Anfang zurück und damit den Dingen auf den Grund: Was eigentlich war da los, am Beginn der Zeit? Diesen Fragen wird in den Werken von Künstler_innen nachgestöbert, die ihrerseits am Beginn von neuen Zeitrechnungen in der (Musik-)Geschichte standen: Beatriz Ferreyra, Philip Glass, Heiner Goebbels, Cassandra Miller, Phill Niblock, Bernard Parmegiani, Éliane Radigue, Iannis Xenakis und einige andere.

Raum, Zeit und Bart: François J. Bonnet alias Kassel Jaeger (Foto: Eleonore Huisse).

Unter anderem wird François J. Bonnet alias Kassel Jaeger den dreistündigen Werkzyklus „Trilogie De La Mort“ von der Elektronikpionierin Éliane Radigue präsentieren. Der in Paris ansässige Komponist und Tontechniker ist neben seiner Arbeit als Direktor des Pariser INA-GRM-Instituts auch noch Autor von Büchern mit so klangvollen Namen wie The Infra-World. Mit einer Balance aus Experimentalmusik, Ambient, Noise und elektroakustischer Improvisation sprengt er die Ordnungen von Zeit und Raum.

So oder so ähnlich versucht auch das Ensemble Modern, das Bewusstsein zu leiten und zu erweitern. Seit seiner Gründung im Jahr 1980 zählt es zu den führenden Ensembles für Neue Musik, zusammengearbeitet hat das aktuell rund 20-köpfige Ensemble unter anderem mit Karlheinz Stockhausen und Frank Zappa und stellt sich dementsprechend Traditionen wie Konventionen eher entgegen, als ihnen zu folgen: Es gibt keine_n künstlerische_n Leiter_in, alle Projekte, Koproduktionen und finanzielle Belange werden gemeinsam entschieden. Es wird aber nicht nur im Plenum diskutiert: Jedes Jahr erarbeitet das Ensemble bis zu 70 neue Stücke. Das Programm reicht dabei von Musiktheater, Tanz- und Videoprojekten und Kammermusik bis hin zu Ensemble- und Orchesterkonzerten. Bei MaerzMusik sind sie gemeinsam mit der Jungen Deutschen Philharmonie mit einer Vertonung von Gérard Griseys „Les espaces acoustiques” zu hören.

Diese und die Auftritte des bolivianischen Orquesta Experimental de Instrumentos Nativos und des Berliner Vokalensembles PHØNIX16 am 20. März sowie die deutsche Erstaufführung von Pierluigi Billones „FACE Dia.De“ gehören zu den Highlights des Festivals, dessen Abschluss wie immer ein krönender sein wird: Mit einer erneuten Ausgabe von The Long Now schickt MaerzMusik eine vorerst letzte Einladung heraus, Zeit und Raum gleichermaßen zu vergessen. Zum sechsten Mal gibt es im Berliner Kraftwerk Musik zu erleben, und das satte 30 Stunden am Stück – Übernachtungen ausdrücklich erwünscht! Überall in der Stadt werden die Grenzen von Körper und Kunst ausgelotet. Zeit mag Geld sein, wir nehmen sie uns aber.

Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

SPEX präsentiert MaerzMusik 2020
20.3. – 29.3 Berlin – verschiedene Locations