Madvillain

Als vor knapp einem Jahr ein erster Vorbote dieses Werks über Studio Brüssel mein Küchenradio errreichte, schloss sich der Kreis. Der Track hieß »America’s most blunted«, eine Ode ans Kraut. Laut Ego Trip’s Book of Rap Lists wollten Cypress Hill diese Phrase eigentlich für ihr erstes Album vor 13 Jahren verwenden. Der Name wurde damals aber als nicht vermarktbar abgelehnt. Lange war es auch der Arbeitstitel für »Madvillainy«.

    Doch dann brachte MF Doom, der MC Serch beibrachte, wie man Ramadan fastet, ein paar Shrooms mit ins Studio nach Oxnard. Madlib blieb lieber beim Weed. Rollte einen verkifften Beat nach dem anderen aus der SP, schlief ein, wachte auf, nur um Doom zu erleben, wie er immer noch fleißig Texte schrieb und mittlerweile zu Villain, dem Comicbösewicht, mutiert war. Man beschloss, mehr daraus zu machen. Maddoom klingt ja auch verfänglicher. Medaphoar und Wildchild kamen vorbei, droppten Verse, und genossen ein weiteres Mal die abstrusen Instrumentale von Madlibs lessons in beats, der sich hier alleinig für die Produktion verantwortlich zeigt. So oder ähnlich muss es gewesen sein.

    Herausgekommen sind Stücke, die sicherlich nicht die wummernde Tiefe des viel und zu Recht gelobten »Champion Sound« in sich tragen. Verspielter, psychedelischer kommt hier ein Blues durch die Boxen, der diffus reflektiert und nicht mal einen halben Steinwurf vom Quasimotouniversum entfernt ist. Lord Quas koreferiert seine Weisheiten auch hier fleißig mit. Aber die Mischung zwischen allem stimmt, was nicht nur das Bongwasser freut. »Madvillainy« beweist grandios, dass es hinter dem ersten Cypress Hill-Album erst richtig losgeht mit Regionen, die B-Real, Muggs & Co. wohl leider wegen zuviel Schwarzem Sonntag nie wieder erreichen werden.

LABEL: Stones Throw / PIAS

VERTRIEB: RTD

VÖ: 22.03.2004

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