Madonna Rebel Heart

Will nichts, sagt nichts, fragt nichts: Madonnas Rebel Heart ist schlichtweg egal.

Wir wissen weder, ob der beklagenswerte Tänzer vom Brit-Awards-Desaster Ende Februar beruflich jemals wieder auf die Beine kommen wird, noch, wie es mit der Auftragslage des für den hakelnden Verschluss des Madonna-Capes zuständigen Schneiders aktuell aussieht. Was man aber vermuten kann: Für eine Künstlerin, die ihre Karriere mit einer derartigen Akribie, Disziplin und Kontrolle vorangetrieben hat wie Madonna, dürften die letzten Wochen einer Katastrophe gleichgekommen sein. Nach monatelanger Studioarbeit hatten Unbekannte um Weihnachten 2014 herum neue Madonna-Lieder in nicht für die Veröffentlichung vorgesehenen Rohversionen ins Netz gestellt. Die Sängerin war empört, sprach von »künstlerischer Vergewaltigung« – und verlegte die Veröffentlichung ihres 13. Studioalbums nach vorne. Der Treppensturz von London war dann nur noch ein unangenehmer Nachtrag.

Fehler und Pannen waren in diesem System natürlich niemals vorgesehen. Madonnas absoluter Wille, selbst das kleinste Detail nicht dem Zufall zu überlassen, hat ihre Alben nach Music (2000) berechenbar, langweilig und kalt gemacht. Seit damals verfolgt Madonna stets das gleiche Konzept: Sie umgibt sich mit den State-of-the-art-Popmenschen der Stunde. Diesmal waren das unter anderem Diplo, Kanye West, Nicki Minaj, Nas und Mike Tyson. Ja, genau der Mike Tyson. Der wurde übrigens als Substitut für Jay Z engagiert, dem der Song »Iconic« dann wohl doch ein bisschen zu lau war. Man kann es ihm nicht verdenken: Der mit Tyson und Chance The Rapper dargebotene Track ist eher was für die Bummsbude als für den gehobenen Dancefloor.

Generell gilt: Rebel Heart ist absolut egal. Diese Musik will nichts, sagt nichts, fragt nichts. Da aber derlei Häme in der veröffentlichten Madonna-Meinung inzwischen längst virulent ist, liefert sie die Rezeption gleich noch mit. »Bitch, I’m Madonna« heißt die Kampfansage an alle tatsächlich noch 20-Jährigen da draußen. Nicht falsch verstehen, liebe Madonna-Fans: In der Popkultur älter zu werden, ist ohnehin für niemanden leicht, für Frauen ist es die Hölle. Allerdings gibt es immer den Joni-Mitchell-und-Bob-Dylan-Weg als Alternative. Den Weg der elder stateswoman, der Madonna gut hätte stehen können. Stattdessen hechelt sie der verlorenen Jugend hinterher, wie wir es auch von Mick Jagger kennen. »We could do drugs / And we could smoke weed / And we could drink whisky«, heißt es in »Devil Pray«, »Jesus loves my pussy best« in »Holy Water«. Einzig die Balladen zeugen von so etwas wie Reife: »In a world that’s changing / I’m a stranger in a strange land«, singt Madonna in »Wash All Over Me«, und das Lana-Del-Rey-hafte »HeartBreakCity« weist minimal in Richtung Rick-Rubin-Alterswerk.

Natürlich war Madonna niemals nur Musik, sondern stets maximale Projektionsfläche für alles und jeden. Was für dieses Album mehr denn je gilt: Wo nichts ist, ist unendlich viel Platz für Projektion. Madonna wird das ohnehin nicht scheren: Rebel Heart erreichte in 49 Ländern auf Anhieb die Spitze der iTunes-Charts.

7 KOMMENTARE

  1. Meine Replik: Wenn sich etwas wiederholt, dann ist es eine schlechte Rezension eines Madonna-Albums, und dies wiederholt sich mittlerweile auch schon seit 30 Jahren. Die Schreiber arbeiten sich an den stets gleichen Adjektiven ab. Die Musik sei belanglos und langweilig. Bereits LIKE A VIRGIN war das. Nur RAY OF LIGHT geht als löbliche Ausnahme durch. Madonnas Musik scheint keine musikalische Relevanz zu haben. Hat Madonna überhaupt einmal gute Musik gemacht? Womöglich wird ihre Musik mit etwas verglichen, was ihrem musikalischen Ansatz nicht entspricht. Könnte auch eine Projektion sein. Es ist diesbezüglich zu beobachten, dass ihre Musik auffallend häufig erst im Nachhinein positiv beurteilt wird. So nach dem Motto: Je älter, desto besser. Zweifellos ist RAY OF LIGHT ihr perfektes Gesamtwerk, doch auch MUSIC und das unterschätzte AMERICAN LIFE profitieren von ihrem neuen Image und der musikalischen Frischzellenkur. Im Grunde machte Madonna in ihrer Karriere immer die gleiche Musik, auch wenn sie mit ihrem Image und ihren Rollenbilder virtuos spielte bzw. variantenreich einsetzte. Insofern ist REBEL HEART ein typisches Madonna-Album mit zeitgemässem Sound-Design. Auf dem Album findet sich eingängiger Dancefloor. Es ist simpel gestrickte Pop-Dance-Disco-House-Musik, jedoch müssen sich die besten Songs nicht vor ihren Klassikern verstecken. Mit gehobener Tanzmusik hat dies in der Tat wenig zu tun – das war aber noch nie Madonnas Sache. Insofern ist ihre Musik EGAL. Als Musikerin wurde sie übrigens auch in den 80ern schon nicht ernst genommen. Allerdings setzte sie bereits in den Tagen von LIKE A VIRGIN auf aktuelle, junge und heisse Produzenten – Nile Rodgers. Diesem Konzept ist sie verständlicherweise bis heute treu geblieben. Inzwischen scheint auch die Entertainerin Madonna in einer Image-Krise zu stecken. Spätestens seit MDNA steckt sie einer schwierigen Karriere-Übergangs-Phase. Mit allen Mitteln stemmt sie sich gegen ihre jüngere Konkurrenz. Allerdings hat sie mit ihrem sexualisierten Marketing-Konzept an Glaubwürdigkeit eingebüsst. Inzwischen wenden Rihanna, Lady Gaga, Beyoncé das Madonna-Konzept authentischer und überzeugender an. Niemand will eine über 50-jährige in sexy Posen sehen, obwohl sie noch immer topfit ist. Ihren Jugendbonus hat sie definitiv verspielt, deshalb unterstellt man ihr Probleme mit dem Alter. Mit RAY OF LIGHT schien ihr der Image-Wandel zur Legende, Musikerin und Mutter geglückt zu sein, nun versucht sie sich wieder als Sexualobjekt. Dies ist womöglich der Holzweg, jedoch scheint mir auch der Joni-Mitchell- bzw. Bob-Dylan-Weg keine veritable Alternative zu sein. Denn Madonna hatte schon seit jeher ein ganz anderes Image als die Genannten. Sie ist mehr Entertainerin als Musikerin. Deshalb darf man gespannt sein, wie ihr der Rollenwechsel in Zukunft gelingt ohne komplett in der Versenkung zu verschwinden. Dagegen weiss man bereits jetzt, was die Musikkritik über ihre zukünftigen Werke schreiben wird. Belanglos und langweilig!

  2. Ich finde das Album klasse und kann eher nicht verstehen, warum das sehr langweilige Sam Smith Album überall so erfolgreich ist.

  3. Hammer Album. Verstehe solch negatives Geschreibsel nicht..langweilt mich einfach nur,dass sie schlecht gemacht wird und es kotzt mich an weil es so abgelutscht ist sie so nieder zu machen. Sie bleibt eh oben, genauso gehts mir der altersrassismus aufm Sack.

  4. Ich liebe das Album und finde das negativ Gerade total zum Kot..n…ist eines ihrer besten Alben. Vielleicht mal erst mehrmals durchhören bevor man urteilt?

  5. Sorry, wenn ich hier gegensteuere, aber diese Kritik bildet Madonnas Kreativ-Misere ziemlich genau ab und ist die beste, die ich bisher zum Album gelesen habe. Fast überall wurde über das neue Werk übrigens Negatives geschrieben.

  6. Zitat: Rebel Heart ist absolut egal. Diese Musik will nichts, sagt nichts, fragt nichts.

    dafür, dass dieses Album so wenig sein soll, ist mit ihre Rezension viel zu lange ausgefallen.
    Ich mag die Balance zwischen den Fun-Songs wie z.B. unapologetic Bitch usw, und den Balladen wie z.B: Joan of Arc, Messiah, Heratbrake City sehr. Spaß und Anspruch, ansprechend ausgewogen ;)

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here