Madlib WLIB AM King Of The Wigflip

Madlib ist zurück aus seiner zweieinhalbwöchigen Schaffenspause. Den Sommer hatte der rastlose Kalifornier genutzt, um mit dem Azymuth-Drummer Ivan »Mamao« Conti brasilianisches Liebgut neu zu vertonen, auf Tour fleißig Overseas-Papier einzusammeln und auf einem der zahlreichen Anschlussflüge das komplette Madvillain-Album von 2004 für die digitale Zweitverwurstung frisch zu machen. Nun wendet er sich urplötzlich traditionellen Formaten zu: »WLIB AM King Of The Wigflip« ist ein Produzentenalbum klassischen Zuschnitts, Beats von ’Lib, Raps von den Freunden.

    Formell firmiert die Platte als neunte Episode der vom britischen BBE-Labels eigens reanimierten »Beat Generation«-Serie, in der seit 2001 verschiedene Größen der Beatschmiedegilde Alben ohne kreative Vorgaben veröffentlichen dürfen – und dabei nicht selten Standards definieren. will.i.am etwa ließ seinem überbordenden Talent auf »Lost Change« genau dann freien Lauf, als er sich mit den Black Eyed Peas endgültig der reinen Erwerbsarbeit zuwandte. Jazzy Jeff löste sich mit dem altersweise ausbuchstabierten Adult-Bummtschack von »The Magnificent« erfolgreich vom Hofnarren-Image seiner Frühphase an der Seite von Will Smith. Und auch der große J Dilla wurde erst mit dem unterkühlt lodernden Motorensoul von »Welcome 2 Detroit« endgültig zum Herzbuben der Beatflip-Gemeinde.

    Nicht nur im Vergleich zu diesen kleinen Klassikern rumpelt »WLIB AM King Of The Wigflip« erstaunlich planlos durch Hoodiehausen. Madlib war nie ein Mann der großen konzeptuellen Würfe, seine Alben funktionierten stets mehr als Momentaufnahmen eines brillanten Digger-Hirnes. Doch gerade dies leistet diese Platte nicht: Seinen gewohnt souverän zerzausten Beatskizzen stellt der Beat Konducta inspirationsfreie Stangenware vom Westcoast-Underground-Resteverkauf zur Seite (»Gamble On Ya Boy« mit Defari). Zu den beiden majestätischen Bangern mit dem prägnanten Rudeboy-Poeten Guilty Simpson gibt es Blutleeres aus der Verwandtschaft (»I Want It Back« mit Bruder »Oh No«). Und für jedes Stück hübsch sperrigen Rucksack&B´s mit Georgia Anne Muldrow oder Stacy Epps muss man erschreckend witzlose Sauflieder mit Frank-N-Dank wegskippen (»Drinks Up«).

    Als Klammer für dieses – geschmackspolizeilich freilich lupenreine – Allerlei muss einmal mehr das arg malträtierte Radio-Konzept herhalten: Was ich alles spielte, wenn ich die fetten Programmdirektorenärsche mal für einen Abend auf den Mars ballern könnte – gähn, als wäre die Radiolandschaft in echt nicht trist genug. Wie gut also, dass man seinen Hörfunkempfänger heutzutage auch einfach mal abstellen und sich im Fileverwaltungsprogramm seiner Wahl hübsche Highlightlisten zusammenstellen kann. Denn zumindest dafür liefert »WLIB AM King Of The Wigflip« einmal mehr grundsolides Material.

LABEL: BBE / Rapster Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 26.09.2008

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