M83 Before The Dawn Heals Us

Gezeitenwandel. Aufgewühlte See. Ruhiger Wellengang. Tiefrot gefärbte Sonnenuntergangsszenarien. Was wie ein romantisierender Jacques Cousteau auf Landurlaub klingt, ist in Wahrheit eher die adäquate Verbildlichung von »Before The Dawn Heals Us«. Der musikalische Meilenstein, der zu setzen nötig gewesen schien. Bombast mit Plüsch im Granitkorsett. Weitläufige Klanglandschaften, die ein Sichverlieren in selbigen schon von weitem signalisieren. Anthony Gonzalez manifestiert auf »Before The Dawn Heals Us« das Jetzt für die Zukunft. Zeichnet weiche chorale Ewigkeiten und verwischt selbige mit schmierig-dick aufgetragenem Synthesizer-Bombast, reiht Gitarren-Arrangements mit »Daydream Nation«-Reminiszenzen auf und begräbt dies alles unter einem Berg von Weite. Dazu kommt ein Rundumschlag durch die (Un-)Tiefen des experimentellen Post-Post-Rock, Richtung Mogwai, Boards Of Canada und Múm.
    Nach »Dead Cities, Red Seas & Lost Ghosts« hat Gonzalez den Arbeitsprozess hinter dem Pseudonym »M83« auf den Singular herunterdefiniert, statt seines Partners Nicolas Fromageau übernahm Yann Gonzalez – Anthonys Bruder – Teile der Text-Produktion. Und so verschmelzen zum Beispiel in »Car Chase Terror!« die Genregrenzen zwischen Hörspiel und Musik, machen den Angstschweiß auf Kate Morans Stirn hörbar. »Before The Dawn Heals Us« wimmelt nur so vor Atmosphäre: euphorisierend, bedrückend und teilweise auch langatmig. Und dabei ist es am Ende doch der Hörer, dem die Luft fehlt. Die private Fantasie von der Weltuntergangsmaschine hat sich zerschlagen. Nach M83 kann nichts mehr kommen.

LABEL: Gooom / Labels

VERTRIEB: EMI

VÖ: 23.05.2005

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.