Agent Provocateur

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Ben Hur und Cleopatra im Footballstadion: Die Halbzeitpausenshow Madonnas beim Super Bowl 2012 (Sieger: New York Giants) bot das StatistInnen- und Kostümvolumen eines Blockbusters auf, durch das der zunächst als Götterbote Hermes gekleidete Popstar actionreich, aber blutleer führte. Wie gut aber, dass Madonna, die zuvor noch beteuert hatte für kein weiteres Nippelgate auszulösen, eine M.I.A. an ihrer Seite weiß – Zitat von der Webseite des konservativen US-TV-Senders Fox News: »For all the pomp and excess of Madonna's Super Bowl halftime show, it is likely to be a single extended middle finger by guest singer M.I.A. that is most remembered.« Arulpragasam hatte am Ende ihres Rapintermezzos in Give Me All Your Luvin den Mittelfinger gereckt und dazu – vom Verzögerungsfilter nur halb ausgeblendet – planmäßig »I don't give a shit!« ins Mikro gefaucht. Anschließend entschuldigten sich das übertragende NBC und die NFL gegenüber der Nation.

   Nach dem sehenswerten, aber unpolitischen, in Marokko gedrehten Bad Girls-Video nun also eine platte Provokation seitens M.I.A.s, die, obwohl erwartbar und inhaltsleer, westlich des Atlantiks den gewünschten Skandal besorgte. Ein großes Spiel, in dem jeder seine Rolle einnimmt, während die Aussagekraft der Künstlerin gegenüber ihrer Musik immer weiter abfällt. Parallel steht die Jubeleinlage von Nicki Minaj und M.I.A. im Verdacht, sich beim Refrain von João Brasil feat. Lovefoxxx' L.O.V.E. Banana von Daniel Haaksmans Man Recordings bedient zu haben. Diese Vermutung äußerten die Anhänger des Künstlers mit seiner Unterstützung auf Twitter. Nachfolgend gibt es das vermeintlich plagiierte Original (Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen, was allerdings auch am Cheerleading-Konzept an sich liegen dürfte.) und die komplette Show, in der neben der neuen Single (ab 5:58) auch Vogue, Music (mit LMFAO) und Like A Prayer (mit Cee-Lo Green) zum Einsatz kamen, zu sehen.

   Nachtrag: Wie Munk heute auf Facebook bemerkte, ist auch das Setting von Bad Girls dem des etwas mehr als zwei Jahre älteren Videos zum Headman-Remix von Live Fast Die Old verwandt (s. unten). Bei Letzterem handelt es sich allerdings um zusammengestelltes Found Footage aus der marokkanischen Autostuntszene, die Romain Gavras nun mit M.I.A. vor Ort porträtierte.

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