Lykke Li „So Sad So Sexy” / Review

Drüber oder nicht – Lykke Li mag sich das ultimative Pop-Gewand überwerfen, aber am Ende liegt unter all dem die Stimme einer reifen, selbstbestimmten Songwriterin, und die hallt am längsten nach.

Zehn Jahre ist es jetzt also her, seit Lykke Li sich mit ihrem Debütalbum Youth Novels zur Königin des minimalistischen Electro-Soft-Pops hochgeschwungen hat. Wenn sie sich auch entschieden hat auf den Nachfolgern Wounded Rhymes und I Never Learn einen anderen Weg einzuschlagen, war eigentlich spätestens seit dem berüchtigte, mancherorts gar gefürchteten Remix von „I Follow Rivers” klar: Diese Frau hat ein Ohr für Popsongs. Wundert es da, dass sie auf ihrem vierten Studioalbum So Sad So Sexy gnadenlos die Lust an der großen Pop-Produktion entdeckt?

Es beginnt noch recht harmlos. Mit ihrer klaren Stimme im Vordergrund, singt Li über dezent flirrende Streicher mit sparsam eingesetzten Claps. Der Break kommt nach etwa einer Minute und plötzlich ist da, ja, so etwas wie Trap. Aber auch nicht richtig. Für So Sad So Sexy hat Lykke Li mit einer ganzen Riege von Produzenten zusammengearbeitet. Darunter nicht zuletzt Lis Lebensgefährte Jeff Bhasker, Lorde- und Frank-Ocean-Kollaborateur Malay, Ex-Vampire- Weekender Rostam und tatsächlich auch Skrillex. Lykke Li bedient sich an der gesamten Bandbreite aktueller Top- und Gloss-Produktionen und das laut eigenen Angaben völlig frei von Scham.

es beginnt noch recht harmlos. und plötzlich ist da, ja, so etwas wie Trap.

Da klingt dann auch „Deep End” ein bisschen, als wäre sie gerne Mitglied einer 90er-R’n’B-Girl-Group gewesen. „Last Piece of My Heart”, als würde es eine besonders dramatische Szene im Grey’s-Anatomy-Universum begleiten und bei „Jaguars in the Air” könnte man insgeheim einen Max-Martin-Credit beim Songwriting vermuten. Ob die hyperaktiven Trap-Hi-Hats und die obligatorischen Triolen Lykke Li an jeder Stelle gut stehen, bleibt zu diskutieren.

Manch einer mag die kühl gesetzten Arrangements von „Little Bit” den großen Emotionen des Titeltracks „So Sad So Sexy” vorziehen. Und ja, „Bad Woman” treibt dann schon in außerordentlich gewagtem Gewässer. Unbestritten gut funktioniert hingegen „Two Nights”, dessen verletzliches Bangen die Jungs von Maribou State nicht besser hinbekommen hätten. Drüber oder nicht – Lykke Li mag sich das ultimative Pop-Gewand überwerfen, aber am Ende liegt unter all dem die Stimme einer reifen, selbstbestimmten Songwriterin, und die hallt am längsten nach.

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