LUKE TEMPLE
GOOD MOOD FOOL
SECRETLY CANADIAN / CANADIAN – 11.10.2013

Luke Temple von Here We Go Magic hat mit Good Mood Fool ein neues Soloalbum vorlegt. Eine Rezension dieser postmodernen Cocktailparty.

Angeblich soll Luke Temple sein neues Album ja in einer einsamen Hütte in Upstate New York aufgenommen haben. Schneeschaufeln, Kaminfeuer und all das inklusive. Als der der Schnee dann schmolz, so die Geschichte weiter, seien ein paar befreundete Musiker zur Hütte gefahren und gemeinsam nahm man Good Mood Fool auf.

Sollte das tatsächlich stimmen, bleibt es ein Rätsel, was genau Temple dort getrieben hat. Denn mit seinem vierten Studioalbum ist der New Yorker, der sich bisher neben seiner Elektro-Folk-Band Here We Go Magic mit präriereitenden Neil-Youngismen hervorgetan hat, weiter von Lagerfeuerromantik und verhuschte Vollbärtigkeit entfernt, als es besagte Geschichte erlaubt. Stattdessen: Urlaub auf den Keys oder in South Beach Miami, zu einer Zeit als weiße Zweiteiler als cool galten, Magnum ermittelte und zu Hause im Studio 54 noch fleißig gepudert wurde. Im Cabriolet auf dem Weg zur Cocktailparty unter Palmen wird dann dieser unglaublich smoothe Bass von »Florida« gepumpt, der ersten Singleauskopplung von Good Mood Fool.

Smooth ist das richtige Wort, um Temples Sound auf diesem Album zu beschreiben. Der Bass spielt in jedem der neun Songs eine zentrale Rolle, mäandert stilsicher im Soft-Rock-Modus vor sich hin und evoziert auch schon einmal den Lendensaft des Funk. Die weitere Instrumentierung schmiegt sich ihm an: elektronisches Schlagzeug, tropische Trommeln, polierte Synthies und nicht zuletzt Falsetto-Gesang und schmierige Background-Chöre. Diese Musik ist eine Reminiszenz an die 80er-Jahre, man fühlt sich an die ganze Palette ambivalenter 80s-Ikonen erinnert. Phil Collins, Peter Gabriel, Prince, eine Brise Michael Jackson.

Zugegeben, das klingt auf Papier schlimm. Doch Temple erbringt er einen weiteren Beweis daür, dass es heute keine solche Grenzen und Gräben mehr gibt. Ehemals als Todsünde angesehene Künstler gelten als hip oder zumindest akzeptabel. Historische Verklärung hin oder her, was zählt, ist die Musik. Und jeder Song auf Good Mood Fool  ist ein kleiner Hit, der von Temples unglaublichem Gespür für Melodien zeugt. Selbst die dickste Pomadigkeit, wie etwa das unglaublich käsige Saxofonsolo auf »Hardest Working Self Made Mexican« oder die Kaufhaus-Streicher auf »Love Won‘t Receive«, verzeiht man ihm ohne Weiteres, angesichts der Homogenität seines Blue-Eyed-Souls. Es ist, als nähme Temple die ehemals verhasstesten Elemente der 80er in sein Songwriting auf, um uns zu zeigen, wie, nun ja, sexy sie eigentlich sind.