Low „Double Negative“ / Review

Seit drei Alben machen Low jedes Mal ihr bestes. Album. Dieses Mal auch. Double Negative schleicht, schüttelt, verzerrt und kommt an.

Authentizität scheint eine Konstante der Popmusik zu sein und bedeutet als Rezeptionseffekt so etwas wie zugeschriebene Glaubwürdigkeit. Deswegen sind Diskussionen um Echtheit ambivalent, wichtiger ist die Wirkung: Alan Sparhawk, Mimi Parker und Steve Garrington, zusammen Low, experimentieren, zerlegen, brechen und lassen Gehäckseltes wachsen. Trip-Hop-Beats gekreuzt mit Indie, Folk, Ambient und Industrial kriegen kurz vorm digitalen Störgeräusch gerade noch die Kurve zurück zum Song. Auf „Tempest“ vom siebten Bandalbum Double Negative etwa verbaut das Trio nebeneinander Trickys Nearly God, Ben Frost oder Sigúr Rós. Neu zusammensetzen und doch nichts wirklich Neues erstellen: Diese Gradwanderung macht Lows luziden Zauber aus.

So muss sich der Moment nach dem Weltuntergang anhören.

Wie das wirkt? B.J. Burtons Produktion hat den ursprünglichen Sound der Band für Double Negative durch den dunklen Ill-Hop-Fleischwolf gedreht und damit einen sehr wuchtigen, schwarzen Monolithen erschaffen. „Dancing Blood“ hören und sterben. Zumindest den kleinen Tod. So muss sich der süße Moment nach dem Weltuntergang anhören. Konsultieren Sie zum Beweis die Bilder und Klänge in Lars von Triers Melancholia.

Seit nunmehr 25 Jahren spielen Low eine wichtige Rolle in Shoegaze, Dream- und Slow Pop. Wikipedia meint dazu: Die Band spiele „langsame bis sehr langsame Independent-Musik“. Stimmt schon, aber wie wird hier bitte Tempo gemessen? Und wieso findet man dafür kaum mehr passende Umschreibungen? Denn seit mindestens drei Alben schreibe ich nun dieser fantastischen Band immer wieder den doofsten aller Kritikersätze zu: Dieses Album ist ihr bestes. Double Negative ist es tatsächlich. Diese schleichenden, sich immer wieder schüttelnden, in jedem Klang verzerrten Balladen aus dem Off landen verlässlich im innersten On. „Always Trying To Work It Out“ lässt mich keine Worte mehr finden, ein so intensives Gefühl entzieht sich der Sprache. Versuchen wir nicht immer, das Beste aus dem ganzen Scheiß zu machen? Low ist dies gelungen.

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