Love Of Diagrams

Der Titel ist Programm. Einfach und schnörkellos bringt er das auf den Punkt, was diese Platte ausmacht: Fragmentarische Melodiebögen, die sich dann verweigern, wenn man eigentlich nach ihnen verlangt. Gedankenverlorene Vocals, die eindringlich und gleichzeitig beiläufig die einzelnen Songs durchziehen und dabei teilweise auffällig unauffällig sind. Vielmehr eine weitere Klangfacette der australischen Neo No Wave-Formation neben Bass, Gitarre und Schlagzeug. Und in Anlehnung an die dialogischen Gesangsparts von Gitarrist Luke Horton und Bassistin Antonia Sellbach erwecken auch ihre Instrumente zusammen mit Monika Fikerles Schlagzeug eher den Anschein, miteinander zu kommunizieren als nur ausschließlich miteinander zu musizieren. All diese einzelnen Bestandteile stehen nebeneinander und lassen sich bei jedem der insgesamt 13 Stücke (inklusive Bonus Track) unschwer ausmachen. Dennoch kann man aus einer gewissen Entfernung oder vielmehr Distanz unter Ausblendung der analytischen Wahrnehmung ein großes Ganzes erkennen. Wie bei einem Mosaik. Brüche und Unebenheiten sind gewollt. Und sie machen erst die einzigartige Schönheit einer derartigen künstlerischen Arbeit aus. So verhält es sich auch mit Love Of Diagrams und ihrer zweiten Platte.
    Je nach eigener Verfassung und Gemütslage können die sägenden Gitarrenkaskaden, der fiebrige Basslauf, das blechern scheppernde Schlagzeug oder die teilnahmslos-gleichgültigen Gesangslinien auf die Nerven gehen und vom weiteren Genuss dieser musikalischen Darbietung absehen lassen. In einem anderen Moment wird man von genau diesen als störend empfundenen Eigenschaften mehr oder weniger unbemerkt gepackt und in den Bann dieser außergewöhnlichen Platte gezogen. Und ohne dass man es mitbekommt, sind plötzlich knapp vierzig Minuten vergangen, die Lautsprecher verstummen. In manchen Momenten scheint die verspielte Roughness von Yo La Tengo durch, an einigen Stellen stellt sich der Eindruck ein, Fugazi lupften den brachialen Post-Hardcore-Rock’n’Roll-Hut. Dann wieder verschafft sich die Improvisationswut Platz, die man aus Sonic Youth’s Spätwerk kennt. In ihrer Heimat Australien sind Love of Diagrams bereits seit ihrem Debüt von 2001 die Darlings der Feuilletons. Und auch wenn dies reine Spekulation ist, so geht der Autor davon aus, dass sich die drei Mitglieder gewiss in der Cafeteria einer Kunsthochschule down under kennen gelernt haben und sofort auf einer Wellenlänge waren aufgrund ihres jeweils schrulligen Humors und spröden Charmes. Denn um es mit einem Wort wiederum auf den Punkt zu bringen, was »Mosaic« ausmacht, ist es dieses: Sprödigkeit. Nicht mehr, aber vor allem auch nicht weniger.

LABEL: Matador / Beggars Group

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 13.04.2007

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