»Looking For Mushrooms«

Looking For MushroomsWährend eines Auftrittes in Berlin gab Lawrence Ferlinghetti, Gründer des City Lights Bookstore, Dichter und als solcher der Verfasser der wunderbaren Sammlung »A Coney Island Of The Mind« vor einigen Jahren Auskunft über das Selbstbewusstsein seines Zuhauses San Francisco. Dort, so sagte Ferlinghetti ungefähr, habe man sich noch nie als ein Teil der USA begriffen. Eher schon, so Ferlinghetti weiter, fühle man sich an der Bay Area als Stadtstaat, vergleichbar mit Florenz während der Renaissance.

    Nun, ganz so die Mindsets erneuernd wie die Stadt der Medici mag San Francisco seit den Fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts noch nicht gewirkt haben, doch wer weiss, wie sich die Ballung freigeistiger Kräfte an der Westküste in 200 Jahren in die Bewusstseine reingestanzt haben wird. Dem Museum Ludwig in Köln jedenfalls ist San Francisco jetzt eine Retrospektive wert. Aus dem Pressetext zu »Looking For Mushrooms«:

Nicht in New York, sondern »am Ende der Welt«, an der Westcoast der USA rund um San Francisco, werden die Tabus der werkzentrierten Nachkriegsmoderne in einer Weise gebrochen, dass es zum intensiven Austausch aller Künste kommt. »Looking for mushrooms« heißt ein 1959-1967 entstandener Film von Bruce Connor, der der Ausstellung seinen Titel leiht. Hier verschmelzen winzige Filmpartikel zu einem abstrakten, virtuosen Farb- und Lichtspiel. So assoziiert nicht nur der Titel »magic mushrooms«, die Drogenkultur der 1960er Jahre. In der Person von Bruce Connor laufen Verbindungen zwischen Kunst, Film, Tanz, Beat- und Popkultur zusammen. Dies ist nicht nur für ihn als Einzelperson kennzeichnend, sondern für die Zeit der 1950er und 1960er Jahre in San Francisco und der Bay Area. Hier wird eine Entgrenzung der Kunst zu einer politisierten Counterculture ebenso möglich wie die Vermischung von Theater, bildender Kunst, Tanz, Literatur und Film.«

    Und so zeigt das Museum noch bis 1. März 2009 die Werke von Robert Crumb, Allen Ginsberg, Terry Riley, Steve Reich oder Gunvor Nelson, aus dessen Film »My Name Is Oona« unser Bild entnommen ist.

Looking For Mushrooms – Beat Poets, Hippies, Funk, Minimal Art. San Francisco 1955-68.
bis 01.09.2009
Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln
Der Katalog ist erschienen im Verlag der Buchhandlung Walther König.

Abbildung aus: Gunvor Nelson, My Name is Oona, 1969, 16 mm, s/w, Ton, 10 min, Freunde der deutschen Kinemathek e.V. arsenal experimental, © FDK- MARIAN STEFANOWSKI

 

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