Liturgy The Ark Work

Braucht ein paar Durchläufe bis es zündet, dampft dann aber richtig: Liturgys drittes Album The Ark Work.

»Generation« war der beste Metal-Song der letzten zehn Jahre. Mindestens. Wie Swans in besser, Meshuggah in subtiler, Fear Factory in intellektueller. Aesthethica hieß das Album, auf dem er erschien, schon der Titel war eine Zumutung. Es ging Liturgy um die Verquickung von Ethik und Ästhetik, Schönes und Gutes sollten zusammengehören. Aesthethica machte die New Yorker Band im Jahr 2011 zu Vorreitern des Hipster Black Metal – in manchen Kreisen war der Begriff durchaus als Beleidigung gemeint. »Generation« ist wie ein Ritt durch die Jahrzehnte zurück zu den Anfängen der Minimal Music: vom Einbruch des Noise Rock in den Mainstream durch Sonic Youth, über den No Wave der Swans bis zu Steve Reichs stilbildenden Experimenten mit Repetition und Verschiebung. Ein Akkord, unfassbar viel Groove, größtmögliche Wirkung.

Im Klang von Black Metal Anfang der Neunzigerjahre war das selbstzerstörerische Moment des ganzen Machokrempels schon angelegt. Die Riffs sind nicht hart, nicht bassig, nicht grollend. Das Tremolo erinnert eher an Hornissen in einer Blechdose. Da ist eine vage Ahnung von Aggression und Bedrohung, der Effekt ist aber eher meditativ. Anlässlich des dritten Liturgy-Albums The Ark Work kündigte Sänger und Songwriter Hunter Hunt-Hendrix (kein Künstlername) nun an, er wolle Rap und Metal kombinieren. Geniale Idee. Das hysterische Kreischen weicht nörgeligem Sprechgesang, ein Song wie »Vitriol« könnte auch von Death Grips stammen. Es braucht ein paar Durchläufe bis The Ark Work zündet. Die Single »Quetzalcoatl« stampft und pumpt herrlich, »Follow« erinnert deutlich an den Vorgänger und imaginiert via Sample bereits die Begeisterung der Massen herbei. Gerade die Unbescheidenheit Liturgys macht dabei den Reiz aus. Spätestens beim über zehn Minuten langen Highlight »Reign Array« wird klar, dass Liturgy es tatsächlich hinkriegen, aus der kruden Mischung von Glockenspiel, Geige und Gniedelgitarre Dramatik und einen ebenso artifiziellen wie mitreißenden Bombast zu erzeugen, Referenzgröße: Queen.

Seine Brillanz zieht The Ark Work aus der Tatsache, dass die Spannung zwischen billiger Klangsignatur und Erhabenheit immer gehalten wird. Da ist Pathos, einerseits. Und da sind Momente wie der Albumanfang, wo eine Synthiefanfare uns Kinder der Achtziger an He-Man-Kassetten denken lässt. Man könnte sich fragen, ob ein dramatisch-chaotisch klingelnder und klirrender Song wie »Kel Valhaal« besser klänge, wenn all das Getröte von der gesamten Bläsersektion eines Orchesters eingespielt worden wäre statt von nur einem Trompeter, einem Posaunisten und einem Dudelsackpfeifer. Vermutlich nicht. Den verfremdenden, widerspenstigen Effekt zieht The Ark Work auch aus den einfachen Mitteln, die trotzdem so theatralisch und over the top wie möglich ausgeschlachtet werden. Diese ästhetischen Prinzipien teilt das Album noch mit dem Black Metal von damals, wenn auch sonst nur sehr wenig an Darkthrone, Mayhem und die anderen erinnert. Liturgy bleiben ungemütlich.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here