Lily Allen Alright, Still

Weiter vorne im Heft stehen im Artikel über die gerade mal 21-jährige Lily Allen aus London eigentlich alle wichtigen Fakten, die es zum Verstehen dieser zauberhaften, wunderbar sommerlichen, aber niemals ohne versteckte Wohlfühl-Widerhaken funktionierenden Platte. Was also noch groß sagen, ohne bloß dauerzuschwärmen?
    Man könnte die Musik einkreisen. Diese immer wohltuend unhip wirkende Mischung aus Siebziger-Reggae und Ska, gebrochenen Beats und Pop, die um Rock und Dub weiß, sie aber ähnlich wie irgendwie allgegenwärtiger HipHop nur ab und an andeutet. Ist Allen dabei textlich gesehen so etwas wie die nicht ganz so dreiste, weibliche Antwort auf Mike Skinner, folgt ihre Musik niemals seinem Prinzip nerdiger Soundbasteleien und Jungs-Beatgeschraube, über das sich die Geschmackskleinkrämer unter dem Deckmantel des Kennertums stundenlang in ihren Plattenladenmutterschiffen unterhalten. Sondern ist einfach nur da, ganz leicht, immer: Pop. Das luftige »Smile«, die am entspanntesten aus der Hüfte geschüttelte Single des Jahres vielleicht, beweist dies genauso wie die vielen Songs, deren Klanggewänder an immer funktionierenden 80er Pop, an geschmackvolle 90er Spice Girls und auch mal an modernen Uptempo-Dub erinnern – die erdige, discobeatfreie Version einer Gwen Stefani von nebenan. Am Ende alles unwichtig, denn was Lily Allen – neben dem wunderbaren Gefühl, es mit total unnerdiger, aber nie schwach-flacher Popmusik im musikalischen Sinne zu tun zu haben – so einzigartig macht, sind ihre Texte. Rotzfrech, immer ihr direktes Umfeld ungeschminkt reflektierend (in eben all den beliebten Mike Skinner-Situationen zwischen den eigenen vier Wänden, dem Stadt- und Nachtleben): Das ist oft lustig, nicht selten mit einer Portion sozialrealistischem Ernst hinter dem Grinsen, aber niemals ohne Licht am Ende des Problemtunnels vorgetragen – und natürlich geht es so gut wie immer um Abrechnungen mit dem anderen Geschlecht.
    Was auch auffällt: Jeder der elf Tracks erinnert einen an Songs, Gesten und Momente aus den letzten 30 Jahren Popmusik. Aber nie fühlt man sich, als befände man sich inmitten einer Coverversion, nie müffelt es nach Abklatsch, nie wirkt ein Break, ein Sound, eine Melodie zu dreist oder gar volldreist geklaut. DAS ist die Stärke dieser Platte, entspannt und unverkrampft dein Freund zu sein. Diese Platte ist wie Euch Uwe: für alle da! Nehmt das, ihr Jack Johnson-Zombies da draußen!

LABEL: Regal

VERTRIEB: EMI

VÖ: 13.07.2006

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