Liebestrunken in Köln

Warum die heute eröffnende c/o pop nicht mit Materialien aus der Kölner Tanzmusik begleiten? Das anständige rheinische Techno-, Ambient- und sonstige-Elektronika-Label Kompakt feiert heuer nicht nur sein zehnjähriges Bestehen, das Erscheinen der neuesten Auskopplung der hauseigenen »Kompakt Total«-Reihe, die Veröffentlichung von Mathias Aguayos Debüt-Album, sondern hat in Kürze auch die ausgezeichnete Jubiläums-Veröffentlichung der traditionellen Christopher-Streetday-Nachmittags-Techno-Partyreihe E’de Cologne im Vertriebsprogramm.

    1999 wurde die Party von den Veranstaltern Dietmar Saxler und Gerd Schreiber erstmals zum CSD initiiert, die Resident-DJs waren damals wie heute Hans Nieswandt, Tobias Thomas und Riley Reinhold, damals noch mit einer überschaubaren Gästezahl. In den ersten vier Jahren wechselte die E’de Cologne ihren Veranstaltungsort noch zwischen dem Rheinufer, Offenbachplatz und Apostelnkloster, darauf folgten fünf Jahre am Josef-Haubrich-Hof, zentral und nahe des Kölner Neumarkts gelegen. Dort etablierte sich das E’de Cologne-Open-Air endgültig zu einem festen Bestandteil des jährlichen CSD-Programms. Die letzten beiden Ausgaben der Party wurden zwar wieder am Offenbachplatz gefeiert, ansonsten hat sich inhaltlich und konzeptionell allerdings nichts geändert: Der Eintrittspreis lag und liegt bei einem solidarischen Euro, die Erlöse wurden stets der Aids-Hilfe gestiftet. Unter dem Motto »Lovestoned« (zu deutsch: liebestrunken) wurde im Juli die zehnte Veranstaltung begangen, der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Track der Kölner Produzentin Ada – so erklärt sich denn auch der Untertitel der Compilation: »E’de Love, Lovestoned«.

    Anstelle einer – pardon – schnöden CD- und Vinylveröffentlichung legt die E’de Cologne nun einen minimalistisch gestalteten 36-seitigen DIN A5-Katalog samt CD-Compilation auf, im schwarz-weiß und Pantone-rot auf Offset-Papier gedruckten Heft findet sich ein langes Stichwort-Interview zwischen Veranstalter Saxler und dem Dreigestirn Nieswandt / Thomas / Reinhold. An der Lektüre des Interviews Gefallen zu finden, gestaltet sich für Außenstehende als zäh – die Form mit stichwortgebenden Begriffen ist zwar charmant, zu oft verlaufen sich die Fragen und Antworten aber in Nebensätzen und knappen Formulierungen, die eine jahrzehntelange Freundschaft und Verbundenheit zeigen mögen, für den interessierten Leser aber recht bedeutungslos sind. Zwischen den Zeilen finden sich aber glücklicherweise doch noch Koordinaten zu Selbstverständnis und Geschichte  der Veranstaltungsreihe. Daneben zeigt das Heft rot eingefärbte Schwarz-Weiß-Protraits der beteiligten Künstler von Fotograf Tobias Vollmer, durchgehend geschmackvoll gestaltet hat Art Director Otto Dietrich – dessen Flyer-Design in der Heft-Klappe abgebildet wird.

    Kommen wir aber zum Kern der Sache: Während diese Zeilen auf einer Köln-Reise an Bord des ICE 558 entstanden, perlte feinster Minimal-Techno, Pop und House kölnischer – *räusper* – Schule aus den akustisch perfekt austarierten Sennheiser CX 300-Kopfhörern. Unter den zwölf Stücken (darunter: neun bisher unveröffentlichte Tracks) finden sich die wichtigsten Akteure der E’de Cologne-Geschichte, vertreten sind neben den im Interview portraitierten Akteuren auch Stücke wie das Disco-inspirierte »The Need to Believe« von Haito (mit einem wundervoll cheesy ins Mikrofon säuselnden Eric D. Clark), einem alten aber legendären Michael-Mayer– und Tobias-Thomas-Remix von Tonetraeger sowie das titelgebende »Lovestoned« von Ada und Raz Ohara.

    »E’de Love« erscheint am 28. September im Eigenverlag auf E’de Cologne Records. Wer auch nur ein Jahr in Köln gelebt und der E’de Cologne dabei einen Kurzbesuch abgestattet hat, sollte sich CD und Heftchen unbedingt in seinen Plattenschrank stellen.

Diverse – E’de Love:
01. Pierre Chevallier – Electronic Cruising
02. Triple R – Elektronische Musik
03. Hans Nieswandt – Tanz Baby
04. Thomas/Mayer – Über Wiesen
05. The Modernist – Lost in Music
06. Strobocop – Love Is Music/Music Is Love
07. Tonetraeger – Welcome Back, Kotter (Mayer/Thomas Rmx)
08. André Kraml – Suburbia
09. Popnoname – Deeper Than Love
10. Haito feat. Eric D. Clark – The Need to Believe
11. Ada feat. Raz Ohara – Lovestoned
12. Justus Köhncke vs. Marianne Rosenberg – Lieder der Nacht (E’de Cologne-Edit)

Abbildungen: © E’de Cologne

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