Liars „TFCF” / Review

Trotz allem ist TFCF kein zweites Bon-Iver-Album, sondern wehrt sich mit jedem Ton gegen Zuschreibungen wie „natürlich“, „ehrlich“ oder „handgemacht“.

Obwohl Liars sich dem Wandel verschrieben haben, folgen die mittlerweile acht Alben der Band gewissen Gesetzmäßigkeiten. Da wäre zunächst die Regel, dass auf ein extrovertiertes Werk stets das introvertierte Gegenstück folgt, und zweites die überraschende Erkenntnis, dass gerade die ruhigen Alben von Liars die Beunruhigendsten sind. Auf dem letzten Album Mess versuchte sich das Trio an geradliniger Tanzmusik, der jeglicher Spaß und jede andere Emotion fehlte – und die dieses Defizit mit martialischen Bässen und Beats ausglich. Für den Nachfolger TFCF bedeutet das, dass es nach besagtem Regelwerk wieder ruhigere Töne anschlägt.

Obwohl die verstörenden Soundcollagen zwischen und in den Songs für die passende Gruselstimmung sorgen, bleiben die Songs selbst emotional blass.

Beinahe wäre TFCF sogar ein intimes Folkalbum geworden – zumindest klingt die Entstehungsgeschichte danach. Aus der Band Liars wurde nach dem Ausstieg von Aaron Hemphill und Julian Gross ein Soloprojekt, Sänger Angus Andrews zog sich in ein Naturreservat in der Nähe von Sydney zurück, entdeckte die Akustikgitarre für sich und unterlegte die elf neuen Songs mit Field Recordings des Zwitscherns und Raschelns der Natur um ihn herum. Trotzdem ist TFCF kein zweites Bon-Iver-Album, sondern wehrt sich mit jedem Ton gegen Zuschreibungen wie „natürlich“, „ehrlich“ oder „handgemacht“. Gleich der zweite Song „Cliché Suite“ spielt mit diesen folkloristischen Gemeinplätzen, wenn er mit Schellenkranz und Akustikgitarre beginnt, diese jedoch schnell mit elektronischen Störgeräuschen ausmerzt.

Auch auf TFCF liebt Andrews das Spiel mit der Monotonie. Er verzichtet in seinem Gesang beinahe gänzlich auf Melodien, unterlegt ihn mit stoischen Beats („Staring At Zero“) oder reduziert das Arrangement auf wenige Synthietöne („Ripe Ripe Rot“). Doch TFCF scheitert ausgerechnet an Regel Nummer zwei. Obwohl die verstörenden Soundcollagen zwischen und in den Songs für die passende Gruselstimmung sorgen, bleiben die Songs selbst emotional blass. TFCF ist wieder ruhig – aber eben nicht beunruhigend.

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