Lansing-Dreiden

Kollektiv/Firma. Kunst. Musik. Video. Installationen. Miami. New York City. So leicht kann man es sich machen, wenn man Künstler betrachtet. Die Hard-Facts bekommt man ja sowieso überall präsentiert, eine kurze Frage im Netz genügt: Nahezu jeder Text zu Lansing-Dreiden – dem »mysteriösen Kollektiv« – verliert sich nach spätestens drei Zeilen im Abklatsch der Promo-Info. Warum? Genau! Warum sollte man sich die Mühe machen, sich mit Zitaten der Popgeschichte zwischen »Sgt. Pepper    ‘s …« und »The Dark Side Of The Moon« auseinander zu setzen. Oder die Verflechtungen zwischen (progressivem) Gitarrenrock und den Synthie-Arrangements Englands Anfang der 1980er aufzudröseln. Weil das die Arbeit einfach wert ist? Noch niemand auf diese Idee gekommen?
    Lansing-Dreiden bewegen sich auf »The Incomplete Triangle« zwischen gerade genannten Polen. Für den Hörer eine Herausforderung, verschwimmen die Genregrenzen doch weniger innerhalb der einzelnen Stücke, sondern vielmehr im konzeptionellen Aufbau des Albums. Eine Aneinanderreihung von Zitaten – oder Klischees, wenn man so mag – die zeitweilig zäh wirkt. Wenn das Album nach Rock’n’Roll-Erinnerungen zu Beginn langsam in den betont sphärischen Mittelbau übergleitet, wenn auf einmal der Hall-Effekt bis zur Unerträglichkeit ausgereizt wird, um im Anschluss daran in den Tiefen der frühen 80er Elektronik-/Synthie-Experimente anzukommen, dann ist »The Incomplete Triangle« im ersten Eindruck gescheitert. Solche musikalischen Wandelhallen ließe man ansonsten nur Beck Hansen durchgehen, und selbst der hätte dieses krude Genre-Hopping aus NWOBHM, Rock, Pop und Elektronik sicherlich anders verpackt. Aber wieso eigentlich nicht? Widerspricht eine simple Schubladisierung auf der einen und die absolute musikalische Eigenständigkeit als Kontrast auf der anderen Seite nicht völlig der Idee, die hinter dem künstlerischen Akt steckt? Hatte Costello am Ende doch Recht, als er im Oktober 1983 das Credo für die Indie-Szene formulierte? Sind zum Beispiel Lansing-Dreidens »The Eternal Life«, »A Silent Agreement« und »Desert Lights« nicht vielleicht doch die Gebrauchs- bzw. Leseanleitung für die Popkulturgeschichte der vergangenen 50 Jahre? Um im Zitat zu bleiben: »Definitely, not maybe!« Oder noch besser so: »Das ist Kunst, Mann!«

LABEL: Kemado Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 11.05.2005

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