Lady Bitch Ray

»Was, das hat noch niemand gecovered? Dann covern wir das auch nicht.« Schön, nicht, stammt ja auch von Rocko Schamoni, zu finden auf der Innenhülle seiner ersten Platte. Mainstream-Medien funktionieren so ähnlich, und vor allem funktionieren sie auch so: Was, das haben die schon gecovered? Das Köpfe kratzen geht los, und dann muss aber auch unbedingt der kreative Umgang her mit dem Thema, dann muss was kommen, so wie noch niemand »die Geschichte« angepackt hat. Lady Bitch Ray war in den vergangenen Wochen überall: Bild, Stern, Maischberger, taz, Tracks.

    Es ist nicht einfach. Denn die MC und Betreiberin ihres eigenen Labels Vagina Style Records macht sich nirgendwo Freunde. Sie ruft die Frauen dazu auf, sich nicht über Typen zu definieren, sie rappt über selbstbestimmten Sex und gibt den Bumspartnern in spe schonmal vorab Tipps, wie sie es gern mag. »Nicht gleich den Schwanz reinstecken / sondern mit der Eichel / die Muschi leise wecken«. Dann aber kommt sie mit Haltungen an wie »Sei stolz«, wo das Türkische an sich aber sowas von essenzialisiert wird. Super, Reyhan Sahin will nicht mehr Klos putzen wie noch die Generation ihrer  Eltern (das heisst ihrer Mutter). Aber warum führt das dann zu einer Aussage wie »Wir wollen Türkinnen bleiben«.

    »Deutschland, ich ficke deinen Arsch« wiederum hat T-Shirt-Qualitäten wie einst »Halt´s Maul, Deutschland« und könnte jetzt schon Anlass zur 2008er Variante werden einer einst von Christiane Rösinger losgetretenen Diskussion: ist der Mond rechts oder links? Diesmal also geht die Frage, ob Deutschland ein Mann oder eine Frau ist, und wenn jemand Deutschland ficken will (zumal eine Frau), wie geht das dann? Insgesamt ist die neue EP der in Germanistik promovierten Bremerin also tatsächlich ein Kommunikationstool. Reime und Beats sind dem Genre Porno-Rap angemessen billig, aber alleine schon, dass eine Frau mal den Porno Kings antwortet, begrüße ich laut und deutlich. Denn, wie sagt Professor Zizek über das Web: »Once it’s in, it’s in«.

LABEL: Vagina Style Records

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 07.12.2007

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