La Grande Illusion

Seiden schimmern die Fäden des Spinnenmannes. Heiko Badje ist La Grande Illusion, in den Worten des Hamburgers eine »virtuelle Band«. Nach der selbstbetitelten ersten Platte vor drei Jahren hat La Grande Illusion jetzt das neue Album »It’s Not Okay What You Did« veröffentlicht und geht damit ab Ende November auf Tour. Beim Reden mit dem Musiker tritt nach und nach das ganze Geflecht aus Studio- und Bühnenmusikern, Mischern, und vor allem auch Referenzen auf, die so eine One Man Band eben braucht. Der ganze weite Mikrokosmos.

LaGrandeIllusion

Diese Eleganz. Sie hat schon das erste Album »La Grande Illusion« ausgemacht. Doch während die erste Existenzmeldung des Hamburger Poppers Heiko Badje vor drei Jahren noch eine Sammlung disparater Songs darstellte, kommt auf »It’s Not Okay What You Did« ein Rahmen hinzu. »So ein Album-Album wollte ich schon machen«, erzählt Badje über die Idee. »Ein Konzept-Album sollte es nicht gerade werden, doch der Gedanke des Albums stand diesmal vor dem der einzelnen Songs.«
    Es ist ein Longplayer geworden, der sich eher anfühlen lässt als hören, dann allerdings mit den Fingerspitzen. La Grande Illusion spielt Musik ganz nahe am Pop, die aber gleichzeitig lautlos zu sein scheint; sie breitet sich im Raum aus wie dünne Fäden. Roxy Music ist immer aktuell, und gerade kursiert mit »Manifesto« mal wieder eine tolle Version eines ihrer Songs durch die Gegenwart, diesmal von Michaela Melián.

    »Avalon« dagegen war’s auf Badjes Debüt, auf dem sich ansonsten aber die Formen Track und Song gegenseitig aufhoben, nachzuhören im kleinen Hit »So Pathetic«. Roxy Music sind heute eher die unsichtbaren Big Spenders der Haltung von La Grande Illusion. Vielleicht deshalb konnte Badje nun auch dazu übergehen, dem Poppertum eher fernstehende Bands wie die Stooges und Young Marble Giants zu covern. Damit beginnt erst das Universum der Referenzen; so steht dem Album nach dem eher introhaften »All The Time« der Song »I Don’t Understand This Blowin‘ In The Wind« programmatisch vor. »Folk und Country Rock waren für diese Platte sehr wichtig, neben Dylan habe ich in letzter Zeit viel Byrds und Gram Parsons gehört und Fred Neil aus dem Greenwhich Village-Dunstkreis. Bis auf einen Bass-Sythesizer habe ich auch keine Synthies benutzt, das war für mich so ein Thema.«

    Das allerdings hat La Grande Illusion nun nicht zum Streiter für den authentischen Klang werden lassen; im Gegenteil, diese Musik klingt nach wie vor sehr metropolitan. Im Sound-Design wird versucht, was Badjes großes Ding ist: es schön machen, alles schön machen. So muss er auch im Interview darauf aufmerksam machen, dass es sich bei »It’s Not Okay What You Did« um eine Platte über schwierige Phasen in der Liebe handelt. »Schau‘ dir mal den Text von ›Brand New Life‹ an, der Song hat da super reingepasst.«

»So bad when you went away / Nothing I could do or say
And now we are a lonely two / Sit at home and watch the tube
«

    Das ist jetzt nur die erste Strophe des Songs der Young Marble Giants, den Badje schön gemacht hat. Vielleicht führte die tatsächlich auch selbst erlebte schlechte Zeit dazu, dass der Hamburger sein Prinzip der virtuellen Band schon während des Aufnahmeprozesses etwas aufgeweicht hat; Toningenieur Thomas Mahringer nahm auf und mixte, und vor allem spielte Henning Wandhoff von Mountaineer bei vier Stücken Schlagzeug. Was das Live-Spielen angeht, so hat Badje nun alle möglichen Konstellationen durchdekliniert. Nach Auftritten mit Halbplayback und völlig solo hat er nun für die Ende November beginnende Tour eine Band so richtig mit Bass, Schlagzeug und Keyboard (letztgenannter ist Pingipung-Mitbetreiber Mr. Tingle) zusammengestellt. Nur der berühmte blaue Anzug bleibt im Schrank. »Blau ist zwar meine Farbe, aber diese Phase ist vorbei. Diesmal wollte ich es noch schlichter.«

»It’s Not Okay What You Did« von La Grande Illusion ist bereits erschienen (Pop Up Records / Cargo). SPEX präsentiert die kommende Tour, alle Daten finden sich hier.

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