Die Dominanz der Animation

taprikk-zweezee-eating-at-the-void-videoVideo-Standbildl: Taprikk Sweezee feat. BusyEating At The Void (Regie: Chichirik)

    Nach Jahren des Niedergangs, bedingt durch die Umsatzeinbrüche der Musikindustrie und die gesunkene Relevanz von Abspielstationen wie MTV, feierte die Kunstform des MUSIKVIDEOS in den vergangenen Monaten eine kleine Renaissance. Inzwischen investieren die Musik-Konzerne wieder in aufwändige Produktionen, nachdem das Genre zuvor durch günstige HD-Kameras und die Online-Video-Plattformen einen Paradigmenwechsel hin zum zum Do-It-Yourself-Medium erfahren hatte. Sei es Jonas Åkerlunds Sponsoring-Exploitation zu Lady GaGas Telephone, der größenwahnsinnige Kurzfilm Runaway zu Kanye Wests Album My Beautiful Twisted Dark Fantasy oder die aktuelle Kampagne der Beastie Boys – das Musikvideo ist auch für den Mainstream wieder relevant.

    Beim wichtigsten Festival-Forum für das Genre in Deutschland, dem Musikvideo-Wettbewerb der Kurzfilmtage Oberhausen, spielt diese Entwicklung aber offenbar keine Rolle. Dies liegt an den Auswahl-Kriterien für die Wettbewerbs-Clips, nach denen die »außergewöhnliche visuelle Form« im Fokus steht und zudem nur Einreichungen von in Deutschland arbeitenden Regisseuren berücksichtigt werden. Repräsentativ für den Zustand der Kunstform im Jahr 2011 ist der Musikvideo-Preis nicht – und will es auch gar nicht sein.

    Nimmt man die zehn Wettbewerbs-Beiträge dennoch als Maßstab, dann lassen sich einige Trends beobachten. So sind ganz oder teilweise animierte Clips deutlich in der Mehrheit. Drei der Videos sind vollständig am Zeichentisch oder Computer entstanden: Bagatelle I (Musik: sonic.art, Regie: Sebastian Huber, Robert Pohle, Johannes Timpernagel), Eating At The Void (Musik: Taprikk Sweezee feat. Busy, Regie: Chichirik) und INSCT (Musik: Skyence, Regie: Johannes Timpernagel). Vier weitere sind in Mischtechniken produziert und verbinden zum Beispiel Realfilm mit Computeranimationen oder Fotos mit Bewegtbild. Dazu gehören Ein Coversong (Musik: Hans Unstern, Regie: Moana Vonstadt), One Minute Soundsculpture (Musik: Ryoji Ikeda, Regie: Daniel Franke), There Will Be Singing (Musik: Efdemin, Regie: Jutojo & Phillip Sollmann) und What About Things Like Bullets (Musik: Natalie Beridze, Regie: Nika Machaidze).

    Auffällig ist auch, dass im Wettbewerb fast keine Videos zu finden sind, die eine Geschichte erzählen. Dem klassischen Story-Format kommt einzig Life In Quiz (Musik: Die Sterne, Regie: York Christoph Riccius, Danny Baarz) nahe, ansonsten gibt es erzählerischen Minimalismus wie bei vasárnap (Musik: Venetian Snares, Regie: Martin Sulzer) oder assoziatives Tanztheater bei Ah! (Musik: Oval, Regie: Darko Dragicevic).

    Welcher dieser Clips am Ende des Festivals den Titel Bestes deutsches Musikvideo 2011 tragen darf, entscheidet eine Jury, der neben der der isländischen Multimedia-Künstlerin Ingibjörg Birgisdóttir und ihrer amerikanischen Kollegin Phoenix Perry auch Spex-Autor Jens Balzer angehört. Über den Publikums-Preis kann noch bis zum 6. Mai auf der Webseite der Kurzfilmtage abgestimmt werden.


VIDEO: TAPRIKK SWEEZEE FEAT. BUSY – Eating At The Void

57. Internationale Kurzfilmtage
05.05.-10.05. Oberhausen

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