KTL IV

»IV« ist die erste Veröffentlichung von Stephen O’Malley und Peter Rehberg, die nicht als Soundtrack für das Theaterstück »Kindertotenlieder« von Gisèle Vienne komponiert wurde. Obwohl alle drei vorhergehenden Partien die künstlerische Reife besitzen, musikalisch auch für sich alleine stehen zu können, wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es sich bei Teil IV der KTL-Reihe um ein autonomes Werk handelt. Aber inwiefern unterscheidet sich diese Veröffentlichung darüber hinaus von ihren Vorgängern? Wenn auch einige der insgesamt sechs Kompositionen den Klangduktus vorhergehender Experimente aufweisen, machen sich KTL mit dem vierten Teil ihres Projekts auf den Weg in bisher unerforschte Gebiete. Nachdem das Eingangstück »Paraug« sehr stark an die Komposition »Forrestfloor 4« im ersten Teil von KTLs Tetralogie erinnert, meint man Rehberg und O’Malley bei den folgenden Stücken die Anstrengung anzuhören, sich musikalisch nicht erneut zu wiederholen, sondern eine neue musikalische Sprache zu entwickeln. In Anbetracht der inflationären Fusionierung von Metal und experimenteller Musik ist das musikalische Potential dieses vormals faszinierenden Amalgams rapide gesunken. Vor diesem Hintergrund ließe sich »IV« von KTL als ein Art Übergangswerk verstehen, das sich seiner Tradition bewusst und dennoch Althergebrachtes ablegen möchte.

    Wie ernst es den Musikern mit diesem Album ist, verdeutlicht bereits die Wahl des Produzenten und die damit einhergehende Reise nach Tokyo. Mit Jim O’Rourke verbindet Peter Rehberg eine langjährige Freundschaft, die mit dem Computertrio Fenn O’Berg bereits musikalische Früchte getragen hat. O’Rourke gibt den Kompositionen von KTL eine befremdlich wirkende spröde Klangästhetik indem er Rehbergs Computersounds präzise aus dem Mix hervortreten lässt. Ebenso mit von der Partie ist Boris-Schlagzeuger Atsuo. Seine minimalistischen Rhythmen prägen die Komposition »Paratrooper«. Ein zwanzigminütiges Epos, das von einem treibenden Synthesizerpuls grundiert und von einem messerscharfen Gitarrenloop vervollständigt wird. Zudem bearbeitet Rehberg seinen Computer wie eine Gitarre. Er amplifiziert ihn über einen Verstärker, moduliert das Ausgangssignal mit Effektgeräten und gibt den digitalen Klängen damit einen analogen Charakter. Ein Verfahren, das den im Rock präsenten analogen Soundfetischismus in Frage stellt – eben ganz unrock, wie Peter Rehberg sagen würde.

LABEL: EditionsMego

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 09.01.2009

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