Kreator „Gods of Violence“ / Review

Ein unterhaltsames Album vor allem, weil man Zeuge des melodieverliebten Wahnsinns wird, der sich abziehen lässt, wenn man sehr gut Gitarre spielen kann.

Dieser Text entsteht einige Tage, nachdem die größte Metalband der Welt ein neues Album veröffentlicht hat. So schmerzhaft langweilig das Metallica-Album geworden ist – das neue Album der nur ein Jahr nach den Kaliforniern im Ruhrpott gegründeten „Thrash-Metal-Titanen“ („Metal Hammer“) Kreator klingt erstaunlich frisch. Vor allem, weil die Essener ihre Ausflüge in den melodischen Death Metal der Neunziger und ihre Iron-Maiden-Referenzen in einen zeitgemäßen und druckvollen Sound einbetten. Und nicht zuletzt schlüssige Songs schreiben, die tatsächlich als Ganzes funktionieren, nicht nur als lose Aneinanderreihung von Riffideen.

in seinen aus Streitaxt-schultern-und-ab-in-die-Schlacht-Stereotypen zusammengestolperten Texten  behandelt Petrozza Themen, die ihm wichtig sind.

Natürlich ist es einfach, sich über den ganzen Zirkus lustig zu machen. Nur mal die Titel: „Satan Is Real“, „Army Of Storms“, „Hail To The Hordes“. Fehlen eigentlich nur noch Wölfe und Kettenhemden. Nun ist es eines der sympathischen Motive bei Kreator, dass Bandkopf, Gitarrist und Sänger Mille Petrozza seit langem in seinen aus Streitaxt-schultern-und-ab-in-die-Schlacht-Stereotypen zusammengestolperten Texten Themen behandelt, die ihm wichtig sind. Die Verelendung in Griechenland nach der Finanzkrise beispielsweise: „Wir haben uns einfach irgendwann dazu entschlossen, nicht mehr über reitende Leichen zu singen“, kommentiert Petrozza selbst das neue Sendungsbewusstsein.

Nun ist der Metal in seinem virtuosen Spiel mit dem großen Maßstab ein spannender Kontrast zur jener Verknappung, der sich, verkürzt dargestellt, Techno und Hip-Hop verschrieben haben. Sie leben von Wiederholung und Rhythmus, der Metal eher von der Überzeugung, dass der jeweilige Track sicherlich noch ein paar Gitarrenspuren und ein Solo vertragen könne. Und nicht zuletzt Gods of Violence ist vor allem deswegen ein so unterhaltsames Album geworden, weil man bei einem Solo wie jenem in „Satan Is Real“ Zeuge des melodieverliebten Wahnsinns wird, der sich abziehen lässt, wenn man sehr gut Gitarre spielen kann. Virtuosität im Sinne des Songs. Dass Petrozzas Stimme dabei ein bisschen nervt: geschenkt. Weil Kreator über nahezu jeden Refrain eine herrlich poppige Melodie drüberspannen. Und weil sie dabei einen Hit wie „Totalitarian Terror“ hinbekommen.

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