„Kollektiv politisch denken“ – Ängst Is Now A Weltanschauung / Interview zur Literaturkonferenz in Berlin

Bild: Nazis und Goldmund (v.l. Jörg Albrecht, Gerhild Steinbuch, Thomas Arzt, Sandra Gugiĉ) Credit: Sabrina Richmann

Nazis und Goldmund möchten den Menschen wieder zum selbstbestimmten Teilhaber am politischen Diskurs werden lassen. An vier Tagen im Juni wird dafür das Ballhaus Ost in Berlin zum Zentrum populismuskritischer und freier Diskussion. Ohne Szene und Zwang ist jeder eingeladen nicht nur zuzuhören, sondern mitzugestalten, wenn dem politischen Zeitgeschehen der populistische Geist ausgetrieben, und der ambitionierte Versuch der Sprachbefreiung angegangen wird.

„Wir wollten uns als Autoren und Autorinnen die Sprache nicht nehmen lassen – von keiner rassistischen Hetze, keiner neonazistischen Verharmlosung, keiner antidemokratischen Diktion“, sagen Jörg Albrecht, Sandra Gugic, Thomas Arzt, Gerhild Steinbuch und Thomas Köck. Sie bilden das Kollektiv Nazis und Goldmund und wollen auch im SPEX-Interview als solches zitiert werden, mit einer Stimme sprechen. Was Nazis und Goldmund nicht möchten, wissen die Autorinnen und Autoren also genauso gut. An diesem Punkt hören Bewegungen der Bequemlichkeit halber gern auf, politisch zu sein. Bis zu einem Feindbild und keinen Schritt weiter, wagen sich diese dann beim Betrachten der gigantischen Galerie politischen Zeitgeistes. Das Ziel des Kollektivs: „Politische Positionen diskutieren und künstlerische Strategien gegen den Vormarsch der Neuen Rechten erarbeiten“, und das multimedial und egalitär, ohne Platz für vordefinierte Dogmatik und leere Worthülsen.

Nazis und Goldmund – hinter dem entstellten Titel von Hermann Hesses Narziß und Goldmund verbergen sich aber nicht nur die fünf genannten Autoren und Autorinnen, sondern eine große Menge weiterer Autoren, Essayisten und kreativer Kontributoren. Für die künstlerische Leitung der Veranstaltung Ängst Is Now A Weltanschauung sind jedoch Albrecht, Gugic, Arzt und Steinbuch verantwortlich.

„Wir wollen ohne vorgefertigten Gesprächsausgang auf Augenhöhe diskutieren. Und genau hinschauen, was wir denn eigentlich meinen.“

Das Kollektiv tritt mit der mehrtägigen Literaturkonferenz Ängst Is Now A Weltanschauung nicht zum ersten Mal als kreativer Konvent politischer Literatur und journalistischer Freiheitbestrebungen in Erscheinung. Seit 2016 werden auf dem Blog des Kollektivs wöchentlich essayistische Beiträge rund um den politischen Diskurs hochgeladen, die den Leser nicht nur informieren, sondern auch engagieren sollen. „Als gegenseitiges Fort- und Weiterschreiben, als kollektives Entwickeln einer literarischen Position gegen Rechts“ wird das Konzept des Blogs verstanden. „Eine Konferenz mit unterschiedlichen Künstlerinnen zu kuratieren, die vier Tage lang miteinander und mit anderen interessierten Menschen intensiv in Austausch treten, war der nächste logische Schritt.“

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