»Knight Of Cups« – Filmfeature zum Kinostart

Die Kombination aus metaphysischer Collage und profanem Hollywood-Lifestyle endet beinahe in der Selbstparodie. Malicks Knight Of Cups startet morgen in den deutschen Kinos – vorab das komplette Filmfeature aus SPEX N° 363.

Terrence Malicks Filme bilden in ihrer Gesamtheit eine transzendentale Kartografie und Chronik Amerikas: von den Abgründen und Oasen der ländlichen USA (Badlands, Days Of Heaven) bis zur familiären Suburbia und kühlen Hochhausschluchten (Tree Of Life), vom blutigen Beginn der weißen Besiedelung des Kontinents (The New World) bis zur Geburt des »neuen« Amerikas im Zweiten Weltkrieg (Thin Red Line). So ist es nur konsequent, dass sich Malick mit Knight Of Cups nun dem Ort widmet, der wie kein anderer amerikanisches Bewusstsein in die Welt sendet: Hollywood. Andererseits darf man sich auch wundern: Was will der das einfache, erdige Amerika liebende Regisseur in der Hauptstadt der glitzernden Oberflächen?

Er will, wie schon im Vorgänger To The Wonder, das geistige Leben eines Mannes erforschen und in gewohnt ausschweifender Virtuosität zu den großen Konstanten menschlichen Lebens vordringen. Zum ersten Mal scheitert Malick an diesem Vorhaben. Die Kombination aus metaphysischer Collage und profanem Hollywood-Lifestyle führt nicht zu einem Aha-Erlebnis, sondern endet beinahe in der Selbstparodie. Das liegt vor allem an Rick, dem von Christian Bale verkörperten Protagonisten. Er soll ein erfolgreicher Drehbuchautor sein, man sieht ihn jedoch kein einziges Mal schreiben. Stattdessen erkundet der Film Ricks verflossene Liebschaften, das zerrüttete Verhältnis zu seinem Vater und sein verträumtes Driften durch Los Angeles.

Ohne Zweifel ist Malick mit diesem Bildertaumel erneut ein visuelles Meisterstück gelungen. Bedanken kann er sich dafür beim Kameravirtuosen Emmanuel Lubezki und den vier (!) Cuttern. Perfekt inszenierte Tableaus wie in Tree Of Life sind trotz überwältigender Opulenz nur selten zu finden. Ausnahme ist eine bizarre Partyszene inklusive Antonio-Banderas-Cameo, in der Malick mit ungewohntem Humor die exzentrischen Launen des Hollywood-Volks persifliert.

Dieser Text ist in der Printausgabe SPEX N° 363 erschienen, die versandkostenfrei online bestellt werden kann.

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