Kings Of Leon Only By The Night

Der Followill-Clan scheint auf den Geschmack der großen Bühne gekommen zu sein. Immerhin spielten die Kings Of Leon zwischenzeitlich im Vorprogramm von U2, Pearl Jam und Bob Dylan. Es wundert also nicht, wenn ihre neue, pubertär bis protzig betitelte Single »Sex On Fire« schon arg nach Stadionhymne klingt. Glücklicherweise kommt das orgiastische Breitwandformat auf dem neuen Album »Only By The Night« nicht unentwegt zum Einsatz. Da ist immer noch genügend Staub in der Lunge, wenn Sänger Caleb den Blues hat, während die Südstaatensonne den fetten Klangkörper bis auf das Skelett herunterbrennt.

    Entsprechend reduziert, wie in Zeitlupe und knöchern klingen einige Songs auf dem vierten Longplayer der Brüder Caleb, Jared und Nathan, die für die Aufnahmen mit ihrem Cousin Matthew ins Blackbird Studio nach Nashville zurückkehrten, wo ihnen Angelo Petraglia und Jacquire King, der bereits »Aha Shake Heartbreak« abgemischt hat, zur Seite standen. Der Spagat zwischen Ausschweifung und Enthaltsamkeit hatte sich mit dem sinistren Vorgänger »Because Of The Times« ja bereits angedeutet. Der spitzenmäßig verschleppte, dräuende Opener »Closer« führt nun direkt ins finstere Herz der Nacht, bevor »Crawl« mit nur wenigen suggestiven Riffs, entfernt an den ungeschliffenen Sound der Blues Explosion erinnernd, ein ganz anderes Dunkel ins Auge fasst: »The reds and the whites and abused / The crucified USA / I said the prophecy unfolds / Oh hell it’s really on its way.«

    Derart kryptisch, politisch obskur und düster-prophetisch geht es allerdings nur vereinzelt weiter, es gibt schließlich noch ganz irdische Dinge zu besingen. In »Use Somebody« etwa geht es um das Gefühl, das einen Mann nach langem Unterwegssein befällt: die Sehnsucht nach einem gleichgesinnten Gegenüber. Das vereinsamte Klanggerippe scheint sich hier ungleich reicher instrumentiert aus dem Wüstensand zu erheben, es wirkt plötzlich geradezu fleischlich und beseelt, das ganze Herzeleid ist in einer kieksenden Phrasierung Calebs aufgehoben. Hui! In der ebenso geradlinigen wie gespenstischen Bluesballade »Cold Desert« lässt Caleb, obschon Sohn eines Wanderpredigers, zum unguten Schluss dann alle Hoffnung fahren: »Jesus don’t love me / No one ever carried my load.« Tja, selbst in einer inbrünstig musizierenden Familie hat jeder sein eigenes Päckchen Southern Rock zu tragen.

Anm. d. Red.: In der aktuellen Ausgabe – Spex #317 – kam es bedauerlicherweise zu einer Verwechslung: abgebildet ist das Cover des Kings-Of-Leon-Albums »Youth & Young Manhood« (2003). Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

LABEL: Sony BMG

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 19.09.2008

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