R&Bass schläft nicht!

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   Als »eine klassische Retro-Erzählung« versteht Jan Kedves im aktuellen Spex-Heft die plötzliche »Popularität des R&B-Gesangs im Kreis derjenigen, die sich früher ohne Zögern als Indie-Hörer beschrieben hätten.« Als Beleg macht der Autor dafür die jüngste Verehrung des etwas altbackenen R. Kelly und der verstorbenen Aaliyah aus, während er einem der vitalsten Ausläufer der Bewegung in das kalifornische Los Angeles folgt. Hier versammelt der ehemalige New Yorker und Produzent Ezra Rubin alias KINGDOM mit und auf seinem Label Fade to Mind Gleichgesinnte wie NGUZUNGUZU und MIKEQ um sich. Kedves erkennt darin die Genese des R&Bass. Nun haben alle drei Acts neue Produktionen vorgelegt.

   Eine Blaupause des beschriebenen Ansatzes ist dabei der Kingdom-Remix von Say Yes (Stream unten), zweite Single des mittlerweile aufgelösten britischen Duos Marsha Ambrosius und Natalie Stewart alias Floetry und 2003 ein Top-Ten-Hit in den US-amerikanischen R&B-Charts. Es handelt sich um eine jener »Slow-Tempo-Balladen«, wie sie Kedves nennt, die im modernen Billboard-R&B-Pop als antiquiert gelten dürften. Rubins Überarbeitung ist dabei fast ungewohnt gradlinig, nicht so verspielt wie seine früheren Arbeiten für Ultravid oder Telepathe und nicht so wuchtig wie etwa seine That Mystic EP auf Nightslugs, dem Label seines Bruders im Geiste, Bok Bok. Sein Remix von Timesup, dem Titelstück der aktuellen EP Nguzunguzus (Daniel Pineda und Asma Maroof, die oben links von Rubin zu sehen sind), die gleichzeitig auch die erste Veröffentlichung von Fade to Mind markiert, ist entschleunigter geraten.

   Kräftiger fällt da schon das neue Kingdom-Stück Take Me (Stream unten) aus, auf der Sängerin Naomi Allen in allen Belangen angenehm an Kelis und ihren Milkshake erinnert. Als Track findet es sich auf seiner aktuellen EP Take Me Fool's, die wie seine Debüt-EP Mind Reader bei Fool's Gold (unter der Leitung von A-Trak und Nick Catchdubs) erschien. Nguzunguzu wiederum verwandeln Nicki Minajs Remix von Drakes Best I Ever Had in einen clubtauglichen Wild-West-Nintendo-Shootout (Download unten, via Cult of Now). Der dritte im Heft-Artikel-Bunde, Michael Cox bzw. MikeQ, hat derweil gleich 37 Tracks in seinen neuen Concepto Mix (Stream unten) gepackt und sorgt so noch einmal für ausgesprochen gut tanzbare 80 Minuten, bevor demnächst seine Debüt-EP auf Fade to Mind erscheint.

   Dass es im oben erwähnten Gegenwarts-R&B durchaus frischen Wind bedarf, unterstreicht erneut ein Blick in das aktuelle Spex-Heft: Carmen Böker attestiert Beyoncé (Knowles), dass sie auf ihrem neuen Album 4 die »ganze Zeit über so verspannt klingt, als gäbe sie als spiritistisches Medium ein Zusammentreffen von Céline Dion und Maria Callas wieder, die sich mit falschem Lächeln ihr Nichtkonkurrieren versprechen.« Von Jill Scott kam mit The Light of the Sun zuletzt auch nur ein »slickes Karrierealbum« unter »Strategieverdacht«, findet Detlef Diederichsen.

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STREAM: Floetry Say Yes (Kingdom Remix)

STREAM: Nguzunguzu Timesup (Kingdom Remix)

STREAM: Kingdom ft. Naomi Allen Take Me

DOWNLOAD: Nguzunguzu BEST I EVR ICE RINK RMX

MIX: MikeQ Concepto MIX #49

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