Ob Sex Education, Stranger Things, I’m Not Okay With This oder Daybreak – Teenager dominieren derzeit die Serienwelt. Zeit, sich zu fragen: Was sagt das eigentlich über uns aus?

Wann hat das eigentlich angefangen, dass die Held_innen unserer Lieblingsserien maximal alt genug für den kleinen Mopedführerschein sind? Sicher, Coming-of-Age-Geschichten sind spätestens seit der Romantik fester Bestandteil der (Unterhaltungs-)Kultur – Goethes Werther war im Grunde aus demselben Holz geschnitzt wie Terry, Steve, Curt und John aus George Lucas’ American Graffiti oder, nun ja, Harry Potter.

Warum sind Kinder und Jugendliche gerade jetzt das Serienmaterial der Wahl? (Bild: SPEX)

Aber so omnipräsent wie heute waren die Geschichten über die Entwicklung junger Menschen noch nie. Und dabei wohl auch noch nie so vielsagend. Schließlich leben wir in Zeiten, in denen Dienste wie Netflix über die Möglichkeit verfügen, den Nutzer_innen mittels umfassender Datenerhebung und allerhand Algorithmen genau die Inhalte auf ihre Laptops zu liefern, die sie wirklich wollen.

Was das ist, scheint ziemlich klar: Sex Education, Stranger Things, AtypicalThe End Of The F***ing World, Dark, How To Sell Drugs Online (Fast), Dear White People, Daybreak, I’m Not Okay With This, Wir sind die Welle, Please Like Me und 13 Reasons Why sind nur die prominentesten Beispiele von aktuell erfolgreichen Serien, die adoleszente Charaktere ins Zentrum stellen. Und ihnen Aufgaben vor die Füße legen, die es in sich haben: Sie müssen die Welt retten, uns aufklären, identitätspolitische Kämpfe austragen und ganz allgemein die ziemlich versalzene Suppe auslöffeln, die ihre Elterngeneration ihnen aufgetischt hat.

Aber warum sind Kinder und Jugendliche gerade jetzt das Serienmaterial der Wahl? Was sagt ihre Präsenz über uns und unser Konsumverhalten aus? Wollen wir etwa unterbewusst die Verantwortung für das Chaos auf der Welt bequem an die nächstbeste neue Generation weiterreichen – weil die es ja schon richten wird? (Grüße an Greta Thunberg!) Oder handelt es sich bloß um Nostalgie, weil wir uns durch die Protagonist_innen in die kuschelige Welt der eigenen Kindheit zurückversetzt fühlen?

Über diese und weitere Fragen diskutieren Julia Lorenz, Kristoffer Cornils, Julian Dörr, Dennis Pohl und Jessica Hughes in der achten Ausgabe des SPEX-Podcast.

Außerdem in dieser Ausgabe: Unsere Kolumnistin Ebow beschreibt, wie es sich für sie anfühlte, dass sich nach dem rassistischen Terror von Hanau Hörer_innen für „die Hymne ‚K4L‘“ bei ihr bedankten. Jazz-Großhoffnung Moses Boyd liefert die Gedanken zur Zeit.

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