Hybrider Ausreißer_innen-Pop: SPEX präsentiert Kelsey Lu.

Von zu Hause weglaufen um Cello zu studieren? Klingt jetzt nicht direkt nach der intuitivsten Ausbruchsfantasie, ist so aber bei Kelsey Lu geschehen. Kelsey McJunkins, wie die Musikerin mit bürgerlichen Namen heißt, ist im beschaulichen North Carolina aufgewachsen, in einer Gemeinde der Zeugen Jehovas. Mit 18 Jahren wurde ihr das zu viel. Also schlich sie sich unangemeldet und ebenso unvorbereitet auf ein Vorspiel an der örtlichen Kunstuniversität. Da sie zu dem Zeitpunkt schon ein paar Jahre Cello spielte, konnte sie die Jury überzeugen und begann mit einem Musikstudium.

Liebt rotes Plüsch und ihr Cello: Kelsey Lu (Foto: Promo).

Nach einer Zwischenstation in New York, während der ihre Debüt-EP Church entstand, ist Kelsey Lu mittlerweile in Los Angeles angekommen. Sie hat sich aber ihr Faible für das Ausreißertum bewahrt. War ihr Debüt lupenreiner Kammer-Pop, geprägt vom Klang ihres Cellos, so entzieht sich ihr Debütalbum Blood, ähnlich ihres jugendlichen Ausbruchs, immer wieder Gerne-Schubladen und scheint jederzeit bereit für Ausflüge in den nächsten Referenzrahmen.

Da tummeln sich R’n’B-, Folk- und Soul-Versatzstücke, aber dennoch findet sich in den hybriden Arrangements immer ein bisschen mehr als zunächst erwartet. Allein der Kontrast von McJunkins Stimme, die filigran und dringlich zugleich über den Instrumentals schwebt, macht ein Spannungsfeld auf, das an Arthur Russel erinnert. Künstler_innen wie Solange, Blood Orange und Kelela haben sich nicht umsonst schon die Unterstützung der Cellistin gesichert.

SPEX präsentiert Kelsey Lu (live)
22.07 Berlin – Berghain Kantine