Kelley Polar

Clubmusik und Pop – seit Disco hat das eine immer wieder die Nähe des anderen gesucht. Drumcomputer und Sequencer, Remixer wie Arthur Baker oder Shep Pettibone, so buchstabierte die Popmusik in den 80ern Modernität. New Order überwanden auf diesem Weg den Schatten von Joy Division. Die Pet Shop Boys verachteten den Rock´n´Roll – da kamen Italo Disco oder der Hi NRG-Produzent Bobby Orlando gerade recht. Inzwischen hat sich das wechselseitige Verhältnis von Pop und Disco gedreht. DJs und 12-Inch-Heimwerker trachten nun danach, den großen Pop-Entwurf aus dem Hut zu zaubern. Funktioniert hat das bislang allenfalls auf der theoretischen Ebene. Auf einem anderen Blatt steht das Phänomen all dieser Bands, die als Disco Punk verkauft werden. Abstrahiert man aber nur ein kleines bisschen, dann landet man wieder bei Indie Dance – »Love Songs Of The Hanging Gardens«, das Debütalbum von Kelley Polar, ist anders. Wenn diese großartige Platte denn wirklich Pop sein sollte, dann ist sie das nebenbei geworden.

    Aufmerksamen Freunden von Metro Area dürfte Kelley Polar ein Begriff sein, auf einer ganzen Reihe von Stücken hat er für die beiden New Yorker die Bratsche gespielt. Auf Morgan Geists Label Environ erschienen außerdem unter dem Namen Kelley Polar Quartet drei wunderbare EPs. Die lehnten sich noch sehr nahe an Metro Area an. Vom Co-Produzenten Morgan Geist hat sich Kelley Polar mit »Love Songs Of The Hanging Gardens« aber klar emanzipiert. Zunächst fällt natürlich auf, dass Kelley Polar inzwischen singt. Und er schreibt Songs voller Sehnsucht, Oden an die Nacht und an die Liebe. Musikalisch wird die Szenerie noch immer von Disco zwischen Italo und Arthur Russell bestimmt. Was für Arthur Russell das Cello war, ist für Kelley Polar die Bratsche. Ebenso könnte man aber auf Brian Wilson, Thomas Dolby oder Stevie Wonders Album »The Secret Life Of Plants« verweisen. Kelley Polar hebt den Metro Area-Sound auf die nächste Stufe.

    Aufgewachsen ist Kelley Polar in New Hampshire. Ein Musikstudium an der renommierten Juilliard School brachte ihn nach New York. Dort traf er Morgan Geist. Über dessen Plattensammlung lernte er Disco mehr und mehr lieben, die Streicherparts all dieser Platten aus den 70ern und 80ern wollten decodiert werden. Doch der Lebensrhythmus der großen Stadt überforderte den Diplomatensohn auf Dauer. Inzwischen lebt er wieder in New Hampshire. Seinen Lebensunterhalt verdient Kelley Polar beim Kammerorchester Apple Hill Chamber Players, die aktuellen Trends aus den Clubs interessieren ihn allenfalls am Rande. Auch dieser Umstand hat seinen Teil dazu beigetragen, dass »Love Songs Of The Hanging Gardens« im Genre »Tanzmusik« das Album des Jahres geworden ist.

LABEL: Environ

VERTRIEB: Alive

VÖ: 15.11.2005

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