Kelela »Hallucinogen« / Review

Opiatgeschwängerte Stimmung von Ekstase und Verlust: Kelelas Hallucinogen-EP lebt davon.

»Gibt es in experimenteller Musik einen Platz für ein weirdes schwarzes Mädchen?« Das fragte sich Kelela, deren Kristallstimme bereits mit der von Janet Jackson, circa The Velvet Rope, und natürlich Aaliyah verglichen wurde. Die Antwort gab das erste, selbst besungene Mixtape der nach L.A. umgezogenen Washingtonian mit den hüftlangen Dreads, Cut 4 Me, das vor zwei Jahren so hohe Wellen schlug, dass es in vielen Jahresbestenlisten auftauchte – und Future Brown veranlasste, sie für einen Track mit ins Boot zu holen.

Auf ihrer ersten EP versenkt sich die mit dem Label Fade To Mind assoziierte Produzentin mit äthiopischen Wurzeln in den vernebelten Zustand, in den intensive Liebes- und die damit verbundenen Abhängigkeitserfahrungen uns stürzen. Und über sich überlagernden Slow-Mo-Soundschlieren singt Kelela mit gehauchter Kopfstimme darüber, wie es wäre, die Ex ihres Freundes zu sein.

Die sphärische, opiatgeschwängerte Stimmung von Ekstase und Verlust hält durch die immer leicht verschoben wirkenden Arrangements von Splitter-Beats, verhallten Vocal-Loops, experimentell klirrenden Soundschnipseln, dumpf knarzenden Beats und engelsgleichem R’n’B-Gesang über die gesamte Länge der EP an.

Und ja, da ist Platz: Man gibt sich der Platte mit dem verwirrten Glücksgefühl hin, dass hier die technoide Aufbruchsfreude von Nineties-R’n’B und vielleicht sogar Eighties-Acid-Soul (Sade-Gesang in »The High«!) mit der weirdness zeitgenössischer, dekonstruktiv bassiger Beatproduktion verschmilzt.

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