Keiner für die ruhigen Töne

hysisch übergroßer Mann als einer des Volkes und forderte grenzenlose Begeisterung. Denn schliesslich galt es, die jährliche Leistungsschau jener Krake mit dem Namen Rave zu feiern. Und er, Mark Spoon, vertrat auf dieser Loveparade immerhin Frankfurt am Main, u.a. in seinen Augen damals die (un-)heimliche Hauptstadt dessen, was sie eine Bewegung nannten. Nur wenige Jahre zuvor, im legendenumrankten Sommer ’91, war es noch kein halbmillionenstarker Lindwurm gewesen, der sich über den damals noch ganz schön Westberliner Ku’damm schlängelte. Doch herausgestochen war unter den wenigen tausend ein Buddha, seinen Schamanen-Lehrmeister Sven Väth auf den Schultern tragend.

Die jungen Idealisten vom Fähnlein Technoschweif konnten bei solchen Szenen nur kopfschüttelnd am Straßenrand stehen. Markus Löffel, sinnigerweise gelernter Koch, hatte allerdings schon vorher nur wenig Verständnis für die verkniffenen Gralshüter des Untergrund, egal welcher Subkultur. Das lernte er spätestens in den späten Achtzigern als Strippenzieher hinter »We Wear The Crown«, einer der ersten deutschen HipHop-Crews. Diese brachte u.a. Moses P. hervor, unter dem Familiennamen Pelham ein weiter künftiger Mainmogul von eigenen Gnaden. Nebenher kümmerten sie sich um einen Ex-GI, den sie »Turbo B« nannten. Der zog am Mikrofon von »Snap!« mit »The Power« um die Welt, was in Offenbach eines der ersten millionenschweren unabhängigen Tanzmusik-Imperien wachsen ließ.
Als er neben Rolf Ellmer (oder auch Jam El Mar) im Produzentensessel Platz nahm, entstand Jam&Spoons »Stella«, eine der vor allem in England meistbeachtetsten Platten aus hiesigen Laboratorien seit Kraftwerk. Der kurz darauf folgende »Age Of Love«-Remix schließlich zementierte als letzter Hoffnungsschimmer ein Genre, das fortan unter dem Etikett Trance zur Pest des ausgehenden 20. Jahrhunderts werden sollte. Und spätestens hier hatte sich aus dem goldbewehrten HipHop-Bengel ein großherziger Barockfürst geschält, dessen Pathos nicht nur in den kitschtriefenden Flächen oftmals eine Spur zu nahe an Riefenstahl-Inszenierungen lag. Wo in der von Philippe Starck gestalteten Flughafendiskothek Dorian Gray das beste Soundsystem Kontinentaleuropas zum Komplizen wurde, wenn er in der berühmt berüchtigten Frühschicht den Sonntagmorgen endlos verlängerte. Der dort bei seinen mindestens dreitätigen Geburtstagsfeiern Freund und Feind versammelte, die schlicht nicht anders konnten, als ihm und seinem uneingeschränktem Willen zum Exzeß Tribut zu zollen. Da wurde jeder kleinste Winkel genutzt, alles, was im Zwielicht entfernt nach Staubkorn aussah, atmete fortan unvergessene Legenden des Nachtlebens. Die vom Gastgeber mit quitschender Stimme und spitzbübischem hessischen Mutterwitz oftmals noch übertroffen wurden. Doch auch viele Jahre und Millionen verkaufter Platten später noch mußte er im Kölner Hyatt Ralph Siegel dilettantisch die Hook seines weltweiten Top-Hits »Right In The Night« vorsingen – wirklich erkannt wurde er, wie so oft, dennoch nicht.
Der Frankfurter Bubb war einer der ersten Großen, die hierzulande den DJ und Produzenten als treibende Kraft im (Kultur-)Wirtschaftsleben etablierten. Und der erste dieses Kalibers, der dafür ultimativ zahlte.
Ein larger-than-life Pulp-Roman, der ständig kokettierte. Oft auch über die Grenzen des Erträglichen hinaus, mit der explosiven Mainmetropolen-Mischung aus Rotlicht-Millieu, Überholspur-Kapitalismus und Macho-Gehabe und sowieso zu viel von allem. Wobei Banknoten dabei noch das leichtverdaulichste gewesen sein dürften. Dessen Verbindungen zurückreichten in eine Zeit, da sich in Frankfurter Hinterhofbuchhandlungen zukünftige Bundesaußenminister und Bundesprüfstellenschrecken noch im Zeichen des Punks die 7“ in die Hand gaben. Ein unverbesserlicher Romantiker, der sich verzweifelt Flugbegleiterinnen als »Udo Jürgens des Techno« vorstellte, den Plattenkoffer als »seinen Glasflügel« erklären wollte. Ein Spitzbube, der erst kürzlich, 2005, frisch mit Auszeichnungen dekorierten Reimrüpeln auf deren After-Showparties feixend zeigte, wie das mit den »Fuffies im Club« denn nun wirklich funktioniert (und den Schein hinterher seelenruhig selbst einsteckte).

Sicherlich kein Diplomat. Und doch alles andere als stumpf, hart in der Verhandlung, dabei ehrlich gerade heraus. Ein Magnat und Gastgeber, der mit der Soundfactory-Reihe und später dem familiären Club XS in Frankfurt internationale Standards setzte. Einer der bekanntesten DJs dieses Landes, von dem kaum eine Seele je ein gutes Set gehört haben dürfte – mit einer Menge an wirklichen Auftritten, trotz alledem. Der sich wie kein zweiter von solchen Nebensächlichkeiten ebensowenig beeindrucken ließ, wie von Gläsern oder sonstigen Wurfgeschossen, die auf dem Höhepunkt der Nacht seine Nadel vom Plattenteller fegten. Der in solchen kritischen Momenten die letzten beiden Knöpfe seines Hemdes sprengte, ein kehliges »Are You Reeaady?!« brüllte, und den Tonkopf wieder zurück setzte. An den Anfang. Und die Arme auf der Tanzfläche hoben sich in den Himmel.
Der Mann, den alle liebten zu hassen. »Der Makkkus«, »der Spoon«, »der Löffel« – ob Verbundenheit oder Ehrfurcht, das verflixte »der« bekam er einfach nicht weg. Eine tragische Figur, wie sie Homer nicht überzeugender hätte erschaffen können. Und so überschlagen sich dann auch zu seinem Infarkt bedingten Ende nach viel zu frühen 39 Jahren die Gerüchte. Ehrensache, das die meisten sich um gebrochene Herzen und geläuterten Lebenswandel drehen, den Traum vom Spitzenrestaurant nicht zu vergessen.
Es wird ohne ihn eine verdammte Ecke leiser zugehen in Boogie Wonderland. Trinkt einen auf ihn mit. Um die Rechnung hat er sich schon längst gekümmert. Ehrensache.

»Warum seid ihr so Scheiße leise?!« – So etwas hatte die Hauptstadt seit gut fünfzig Jahren nicht mehr gesehen. Hoch auf dem Wagen, oben über den Massen, erklärte sich ein diesmal auch physisch übergroßer Mann als einer des Volkes und forderte grenzenlose Begeisterung. Denn schliesslich galt es, die jährliche Leistungsschau jener Krake mit dem Namen Rave zu feiern. Und er, Mark Spoon, vertrat auf dieser Loveparade immerhin Frankfurt am Main, u.a. in seinen Augen damals die (un-)heimliche Hauptstadt dessen, was sie eine Bewegung nannten. Nur wenige Jahre zuvor, im legendenumrankten Sommer ’91, war es noch kein halbmillionenstarker Lindwurm gewesen, der sich über den damals noch ganz schön Westberliner Ku’damm schlängelte. Doch herausgestochen war unter den wenigen tausend ein Buddha, seinen Schamanen-Lehrmeister Sven Väth auf den Schultern tragend.nnDie jungen Idealisten vom Fähnlein Technoschweif konnten bei solchen Szenen nur kopfschüttelnd am Straßenrand stehen. Markus Löffel, sinnigerweise gelernter Koch, hatte allerdings schon vorher nur wenig Verständnis für die verkniffenen Gralshüter des Untergrund, egal welcher Subkultur. Das lernte er spätestens in den späten Achtzigern als Strippenzieher hinter »We Wear The Crown«, einer der ersten deutschen HipHop-Crews. Diese brachte u.a. Moses P. hervor, unter dem Familiennamen Pelham ein weiter künftiger Mainmogul von eigenen Gnaden. Nebenher kümmerten sie sich um einen Ex-GI, den sie »Turbo B« nannten. Der zog am Mikrofon von »Snap!« mit »The Power« um die Welt, was in Offenbach eines der ersten millionenschweren unabhängigen Tanzmusik-Imperien wachsen ließ. nAls er neben Rolf Ellmer (oder auch Jam El Mar) im Produzentensessel Platz nahm, entstand Jam&Spoons »Stella«, eine der vor allem in England meistbeachtetsten Platten aus hiesigen Laboratorien seit Kraftwerk. Der kurz darauf folgende »Age Of Love«-Remix schließlich zementierte als letzter Hoffnungsschimmer ein Genre, das fortan unter dem Etikett Trance zur Pest des ausgehenden 20. Jahrhunderts werden sollte. Und spätestens hier hatte sich aus dem goldbewehrten HipHop-Bengel ein großherziger Barockfürst geschält, dessen Pathos nicht nur in den kitschtriefenden Flächen oftmals eine Spur zu nahe an Riefenstahl-Inszenierungen lag. Wo in der von Philippe Starck gestalteten Flughafendiskothek Dorian Gray das beste Soundsystem Kontinentaleuropas zum Komplizen wurde, wenn er in der berühmt berüchtigten Frühschicht den Sonntagmorgen endlos verlängerte. Der dort bei seinen mindestens dreitätigen Geburtstagsfeiern Freund und Feind versammelte, die schlicht nicht anders konnten, als ihm und seinem uneingeschränktem Willen zum Exzeß Tribut zu zollen. Da wurde jeder kleinste Winkel genutzt, alles, was im Zwielicht entfernt nach Staubkorn aussah, atmete fortan unvergessene Legenden des Nachtlebens. Die vom Gastgeber mit quitschender Stimme und spitzbübischem hessischen Mutterwitz oftmals noch übertroffen wurden. Doch auch viele Jahre und Millionen verkaufter Platten später noch mußte er im Kölner Hyatt Ralph Siegel dilettantisch die Hook seines weltweiten Top-Hits »Right In The Night« vorsingen – wirklich erkannt wurde er, wie so oft, dennoch nicht. nDer Frankfurter Bubb war einer der ersten Großen, die hierzulande den DJ und Produzenten als treibende Kraft im (Kultur-)Wirtschaftsleben etablierten. Und der erste dieses Kalibers, der dafür ultimativ zahlte.nEin larger-than-life Pulp-Roman, der ständig kokettierte. Oft auch über die Grenzen des Erträglichen hinaus, mit der explosiven Mainmetropolen-Mischung aus Rotlicht-Millieu, Überholspur-Kapitalismus und Macho-Gehabe und sowieso zu viel von allem. Wobei Banknoten dabei noch das leichtverdaulichste gewesen sein dürften. Dessen Verbindungen zurückreichten in eine Zeit, da sich in Frankfurter Hinterhofbuchhandlungen zukünftige Bundesaußenminister und Bundesprüfstellenschrecken noch im Zeichen des Punks die 7“ in die Hand gaben. Ein unverbesserlicher Romantiker, der sich verzweifelt Flugbegleiterinnen als »Udo Jürgens des Techno« vorstellte, den Plattenkoffer als »seinen Glasflügel« erklären wollte. Ein Spitzbube, der erst kürzlich, 2005, frisch mit Auszeichnungen dekorierten Reimrüpeln auf deren After-Showparties feixend zeigte, wie das mit den »Fuffies im Club« denn nun wirklich funktioniert (und den Schein hinterher seelenruhig selbst einsteckte). nnSicherlich kein Diplomat. Und doch alles andere als stumpf, hart in der Verhandlung, dabei ehrlich gerade heraus. Ein Magnat und Gastgeber, der mit der Soundfactory-Reihe und später dem familiären Club XS in Frankfurt internationale Standards setzte. Einer der bekanntesten DJs dieses Landes, von dem kaum eine Seele je ein gutes Set gehört haben dürfte – mit einer Menge an wirklichen Auftritten, trotz alledem. Der sich wie kein zweiter von solchen Nebensächlichkeiten ebensowenig beeindrucken ließ, wie von Gläsern oder sonstigen Wurfgeschossen, die auf dem Höhepunkt der Nacht seine Nadel vom Plattenteller fegten. Der in solchen kritischen Momenten die letzten beiden Knöpfe seines Hemdes sprengte, ein kehliges »Are You Reeaady?!« brüllte, und den Tonkopf wieder zurück setzte. An den Anfang. Und die Arme auf der Tanzfläche hoben sich in den Himmel.nDer Mann, den alle liebten zu hassen. »Der Makkkus«, »der Spoon«, »der Löffel« – ob Verbundenheit oder Ehrfurcht, das verflixte »der« bekam er einfach nicht weg. Eine tragische Figur, wie sie Homer nicht überzeugender hätte erschaffen können. Und so überschlagen sich dann auch zu seinem Infarkt bedingten Ende nach viel zu frühen 39 Jahren die Gerüchte. Ehrensache, das die meisten sich um gebrochene Herzen und geläuterten Lebenswandel drehen, den Traum vom Spitzenrestaurant nicht zu vergessen.nEs wird ohne ihn eine verdammte Ecke leiser zugehen in Boogie Wonderland. Trinkt einen auf ihn mit. Um die Rechnung hat er sich schon längst gekümmert. Ehrensache.nnn

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.