Mohamed Sylla liegt auf einer gepolsterten Bank, hat sein Handy in der Hand und scrollt durch Instagram. Der 24-jährige Rapper aus Frankreich ist der Erfinder des Afro-Trap, in seiner Heimat Superstar und hier ein Star. Im Gespräch mit SPEX ist MHD einfach ein Junge, der von Kontextualisierung, Marketing und Meinung nicht viel hält. Ein junger Pionier, der zwar sein Genre, noch nicht aber sich selbst gefunden zu haben scheint. Eine Revolution in ihren Kinderschuhen.

„Fortschritt ist mir sehr wichtig“, sagt Mohamed Sylla aus Paris, der gestern erst aus seiner Heimat nach Berlin gereist ist, um sein neues Album 19 zu promoten. „Ich möchte die unterschiedlichsten Menschen ansprechen und habe einfach selbst Spaß daran, neue Dinge zu hören.“

Mohamed Sylla macht Afro-Trap. Ein Genre, das er mehr oder weniger selbst erfunden hat, das eine Mischung aus Afrobeat und US-amerikanischem Trap ist, und das MHD mit seinem selbstbetitelten Debütalbum in die Welt getragen hat. Mittlerweile kommt man auch in Deutschland kaum mehr an dem Genre vorbei, das afrikanische Rhythmen und die Intensität amerikanischer postindustrieller Wut kombiniert. Ähnliche Beats sind überall, und er mittendrin. Dabei schüchtert ihn die Industrie kaum ein. „Hinter der Vermarktung steckt immer irgendeine Strategie“, meint Sylla. „Ich habe aber nur mit dem Songschreiben etwas zu tun. Und da möchte ich einfach machen, was mir gefällt.“

„Afro-Trap ist eine Fusion. Offen für alles und jeden.“

Besonders auf dem neuen Album 19, das am 19. September erscheint, habe Sylla sich frei gefühlt, die Möglichkeit gehabt, viele Sounds auszuprobieren. „Mit dem ersten Album waren wir noch sehr an den Afro-Trap gekoppelt“, sagt er. „Beim zweiten wollte ich einfach alles erforschen – über das Genre hinaus.“ WizKid und Stefflon Don sind auf dem neuesten Album als Features gelistet. Kreative oder kommerzielle Entscheidung? Sylla bleibt vage: „Klar ist das irgendwie strategisch, aber bei den beiden war es für mich auch eine Herzenssache.“

Starke Meinungen sucht man bei MHD vergeblich. Alles wird mit einer gedämpften Begeisterung aufgenommen, mit jugendlicher Selbstverständlichkeit. Das Gute daran? Überheblich klingt auch nichts. Sylla erhebt keine Ansprüche auf das Genre, das er begründete. Selbst cultural appropriation, die Aneignung – in diesem Fall afrikanischer Kultur – durch Künstler_innen ohne afrikanische Wurzeln, hält er nicht für problematisch. „Afro-Trap ist eine Fusion, offen für alles und jeden. Man muss nicht US-Amerikaner sein, um Trap zu machen und genau so wenig afrikanische Wurzeln haben, um Afro-Beats zu benutzen“, sagt er, scrollt dabei durch seine Instagram-Timeline und wirkt unbeeindruckt.