Karies „Es geht sich aus“ / Review & Albumvorabstream

Kann diese Band noch ausgemergelter klingen? „Es geht sich aus“ ist karger als all das Karge aus Münster – und trifft einen genervten Nerv. SPEX streamt das am 04. November erscheinende Album von Karies exklusiv vorab.

„Es ist ein Fest“ schleicht los. Es geht sich aus bleibt zunächst leicht im Ungewissen, kommt aus dem Edgar-Wallace-Nebel auf einen zu, zentnerschwer. Dur ist das hier nicht. Und das ist gut so. Sehr gut. Schattenhaft, dunkel und doch absolut auf den Punkt. Ein guter Freund von mir, selbst eher Komponist dunkler, elektronischer Soundscapes und nicht verdächtig, Postpunk oder Noiserock zu lieben, eher die Acts von Festivals wie dem Madeiradig oder dem Berlin Atonal, stand vor einigen Jahren neben mir auf einem Karies-Konzert und war begeistert, vor allem, wenn ich mich erinnere, wegen der Flächen, Schichtungen, Wiederholungen und beinahe technoiden Musik, des Unprätentiösen. Wahrscheinlich fand er auch immer die Wipers oder Sonic Youth der Evol-Phase anregender als Nirvana. Obwohl, fast zu blumig, die alle. Eher D.A.F. als Fehlfarben oder EA80. Bloße Vergleiche.

Karies sind die Schrotthalden-Kraftwerk dieser ganzen jungen, schlauen, verärgerten Menschen und ihrer oftmals tollen Bands.

Karies klingen noch ausgemergelter. Es zählt der Flow, keine Sperenzchen, keine Extras oder Dekoratives bitte. Karies haben mich schon seit eineinhalb Alben sehr mitgerissen, irgendwie aus dem Nichts dieser Münsteraner „Kaderschmiede“ kommend, karger als Messer, mehr eine Maschine als der Organismus von Die Nerven, deren Kevin Kuhn hier noch und deren Max Rieger wieder mitgemischt hat. Karies sind die Schrotthalden-Kraftwerk dieser ganzen jungen, schlauen, verärgerten Menschen und ihrer oftmals tollen Bands. Sie triggern einen genervten Nerv, sie sind der Soundtrack gegen populäre Populismen, man würde am liebsten mit „Keine Zeit für Zärtlichkeit“ im Ohr und vielen Freunden durch die Straßen ziehen und Kuschel-Jagd auf all die Schwachmaten, Verpester, Hetzer und Krakeeler machen, die derzeit soviel Scheiße verbreiten und Karies mit Sicherheit nicht mögen. „Es ist ein Fest“, was für eine Lawinenparty in verhalltem Moll. Hier ist gerade einiges wirklich nicht in Ordnung. Wir müssen daran. Überlegen. Kante zeigen. Es wird sich ausgehen. Ob gut, bleibt offen. „In deiner Umarmung will ich heut Nacht nicht schlafen.“ Feine schlechte Laune. So lese ich das.

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