Kail

Die Traumfabrik ist ein blendender Bastard. Und wenige haben dies so kurzweilig und unterhaltsam aus schwarzer Perspektive vorgetragen, wie Big Dadas jüngster Künstlerzuwachs namens Kail. Was Public Enemy einst mit Hilfe von Big Daddy Kane und Ice Cube plakativ niederbrennen wollten, ist bei Kail eben auch die andere Seite: Gangs und Hookers, der Abschaum, die Hipsters und Ghettorapunzels, in denen sich die Glitzerwelt unter den weißen Buchstaben am Berg hässlich spiegelt.

    »True Hollywood Squares« nimmt den Hörer mit auf eine Reise durch die Gegend um den Sunset Strip, Kail gibt den buchstäblichen Tourguide im Reisebus und entwickelt dabei Charaktere, die sich durch das Album ziehen und seine quirlige Aufgeregtheit angenehm konterkarieren. Da wäre zum Beispiel DJ Handjob, der als Inder mit britischer Sozialisation am liebsten seine Freizeit auf Puerto Rico verbringt und Kail bei seinen Unternehmungen unterstützt, indem er etwa die anderen Protagonisten des Albums vorstellt.

    Jeder hat seinen Song, wie etwa »John Booboo«, »Peter Pennyworth« oder »Sweet Dick Willy«. Auch »Wendy« die animierte Daisy Duck, die Eye of the Tiger Lilly, hat Kail einige MySpace-Freunde besorgt. Klingt absurd? Ist es auch. Und eben so noch nie dagewesen. Dieser Humor, gepaart mit den richtigen Kraftausdrücken macht hier den ›sexy shit‹. Es gibt sogar eine Werbeunterbrechung, die völlig sinnig und unpeinlich das Album unterteilt.

    Wer jetzt denkt, dass hier die Rechnung auf dem unsäglichen Konzept der Comedy gemacht wird, hat nur bedingt Recht. Dafür ist die Straße zu allgegenwärtig, die Gewalt, die Liebe, die alltäglichen Probleme. Auch der ein oder andere Gunclapper aus South Central wird über diese Art der Gegenwartsverabeitung köstlich lachen können. Kail’s Reime kicken Realität und sind doch so herrlich narrativ über die Samplelastigen Beats geschwafelt, die mindestens genauso entrückt wie funky durch die Box dringen. Wenn dann auch noch seine Mutter auftaucht und sich beschwert, Kail  rufe nicht oft genug an, ist alles vorbei. Ein grandioses, abstraktes Spiel in 12 Akten, dass bloss nicht als Comedy Hop abgetan werden darf. Es so viel mehr.

LABEL: Ninja Tune

VERTRIEB: RTD

VÖ: 25.04.2008

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