Kacey Johansing „The Hiding“ / Review

Die Magie dieser Platte entsteht aus Kacey Johansings Gespür für eingängige Melodien, die sie mit ihrer entrückten, sinnlichen Stimme zeichnet.

Dass Kacey Johansing außerhalb der alternativen Musikszene der kalifornischen Bay Area als Geheimtipp gilt, ist ein kleiner Skandal. Auf dem Radar sollte man die Singer-Songwriterin, die Teil des experimentellen Folk-Duos Yesway war und heute in Los Angeles lebt, schließlich spätestens mit ihrem dritten Soloalbum haben. The Hiding entstand in einer turbulenten Zeit ihres Lebens: Ihre Band Yesway löste sich auf, für Johansing eine traumatische Erfahrung. Diese verarbeitet sie nun mit The Hiding, einer zarten Platte, die sich nicht aufdrängt, einem traumwandlerischen und intimen California-Dreaming-Album. Es geht bei der Amerikanerin meist um unerfülltes Begehren und das Abhandenkommen vertrauter Menschen. Verlust sei ein Gefühl, das sie beim Komponieren immer angetrieben habe, sagt sie einmal in einem Interview, und dieses Thema zieht sich durch alle Songs: „Seems great opportunities come in blessings as well as tragedies“, singt sie im Titelsong „The Hiding“.

Johansing verharrt nicht im Schmerz, sondern ringt ihrem Leiden eine Sammlung unprätentiöser und traumwandlerischer Songs ab

Doch Johansing verharrt nicht im Schmerz, sondern ringt ihrem Leiden eine Sammlung unprätentiöser und traumwandlerischer Songs ab, die einen zaghaften Aufbruch symbolisieren und von melancholischer Introspektion erzählen. Die Magie dieser Platte entsteht aus Johansings Gespür für eingängige Melodien, die sie mit ihrer entrückten, sinnlichen Stimme zeichnet. Man fühlt sich an die Musik von Fleetwood Mac, Joni Mitchell und Laura Marling erinnert, wobei man Johansing am besten im Genre des Country-Folk-Pop ansiedelt, den sie gänzlich ohne Retro-Verliebtheit interpretiert. Mit „In Too Deep“, einem der besten Songs der Platte, gelingt ihr eine fantastische, leichtfüßig komponierte Ballade. Johansings Gesang ist ebenso verführerisch wie wandlungsfähig: In „The Hiding“ charmiert sie als Sirene, das poppige und luftig arrangierte „Do You Want Me“ vermischt Synthesizer-Klänge und sphärische Vocals. Ihre Stilvielfalt spielt sie im countryesken „Old Feeling, Old Foe“ aus, einer Ode an den Eskapismus: „Though I do not know the names of places / I’m longing to find there is a world I feel drawn to“.

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